Verwaltung; Hochschule; E-Government; Prof. Müller-Török; praxisident; Hackathon
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SERIE: Personalentwicklung: Konzepte, Instrumente und Strategien

„Wir nehmen unseren Studenten die Angst“

Angewandtes E-Government: Prof. Müller-Török über eine „praxisidente“ Ausbildung für künftige Entscheider im Public Sector

Hackathons, Zukunftswerkstätten und Handlungsleitfäden für die Verwaltungspraxis – Prof. Robert Müller-Török integriert in seine Lehrveranstaltungen, was absehbar auch wirklich auf die Absolventen der Verwaltungshochschule in Ludwigsburg zukommt. Gegenüber Verwaltung der Zukunft erklärt der E-Government-Experte, worin er den Unterschied zwischen einfacher Simulation und komplexen praxisgleichen Lerninhalten sieht.
Prof. Dr. Robert Müller-Török; Ludwisgburg; Verwaltung; E-Government; IT-Sicherheit
Prof. Dr. Robert Müller-Török lehrt Information Management und E-Government an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg.
© Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg

Verwaltung der Zukunft: Was unterscheidet „praxisnah“ und „praxisident“?

Müller-Török: "Praxisnah" ist die Simulation der Praxis, d.h. bspw. Planspiele, wie sie in den 70ern und 80ern en vogue waren oder man sich zu ein oder zwei Gelegenheiten mit Verwaltungen bzw. Verwaltungsmitarbeitern austauscht. "Praxisident" bedeutet in unserem Kontext, dass man als Studentengruppe ein völlig reales, echtes Thema so bearbeitet, wie in der späteren Praxis. Die Aufgabe "Sehen Sie sich die Open Data an und schreiben Sie uns für die Stadt XY einen Leitfaden, was wir jetzt tun müssen", das ist praxisidente Ausbildung. Weil man ein komplexes Thema interdisziplinär abarbeiten muss und, das ist das wichtigste Kriterium, ein taugliches Ergebnis abliefern muss.

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Wer in unserer Ausbildung "angewandtes E-Government" war, kann selbstständig und eigen-verantwortlich arbeiten.

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VdZ: Welchen Mehrwert messen Sie solchen praxisidenten Elementen für die Ausbildung der Studenten sowie für den künftigen Arbeitgebern zu?

Müller-Török: Wir nehmen den Studierenden die Angst. Unser Berufsleben ist von Angst geprägt – Angst, zu versagen oder Angst, einen Fehler zu machen. Darum haben wir so viele Menschen in den Verwaltungen, die aus Angst keine Entscheidungen treffen, aus Angst ihre Vorgesetzten mit CC und BCC-Mails überfluten oder aus Angst Notwendiges nicht tun und lieber Routinetätigkeiten machen, anstatt kreativ an der Zukunft zu arbeiten. Wer in unserer Ausbildung "angewandtes E-Government" war, kann selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten. Und hat keine Angst mehr, weil er Selbstvertrauen gewonnen hat, weil er weiß, dass er "es" kann, "es" schon erfolgreich gemacht hat.

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Es werden neue Lehrformate ausprobiert und nicht versucht, im Hörsaal die Praxis zu simulieren, sondern es wird praktisch ge- und erarbeitet.

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VdZ: Inwiefern bauen Sie solche Elemente in Ihre Lehrveranstaltungen ein – braucht es insgesamt mehr davon?

Müller-Török: Im Bereich Organisation und Informatik bauen die Kolleginnen Prof. Birgit Schenk, Prof. Claudia Schneider und ich laufend solche Elemente in die Lehrveranstaltungen ein. Da wird in Hackathons mitgearbeitet, in Zukunftswerkstätten und eben auch Handlungsleitfäden erstellt. Es werden neue Lehrformate ausprobiert, es wird nicht versucht, im Hörsaal die Praxis zu simulieren, sondern es wird praktisch ge- und erarbeitet, mit dem Coach Professor dabei, sozusagen als sicherheitsstiftendes Gefühl, ähnlich wie man beim ersten Schwimmversuch noch mit Schwimmflügeln ins Wasser geht und einen Rettungsschwimmer neben dem Becken stehen hat

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Wenn man im Studium einmal das Gefühl erlebt, man hat etwas geschafft und man kann etwas, dann traut man sich auch hier mehr zu als eine Bewerbung als fünfter stellvertretender Kämmereigehilfe.

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VdZ:  Wohin führt es Ihre Studenten nach dem Abschluss und welche Chancen haben sie auf dem Arbeitsmarkt?

Müller-Török: Ganz verschieden. Ich habe Absolventen in Ministerien, Digitalization Officers in Kommunen oder auch einen in einer Landeserstaufnahme-einrichtung, er leitet sie meines Wissens sogar. Wenn man im Studium einmal das Gefühl erlebt, man hat etwas geschafft und man kann etwas, dann traut man sich auch hier mehr zu als eine Bewerbung als fünfter stellvertretender Kämmereigehilfe. Ich kann nicht sagen, inwieweit das dem Arbeitsmarkt geschuldet ist, der momentan für unsere Absolventen insgesamt sehr rosig ist; aber was ich sagen kann, ist dass ich gut ausgebildete Menschen sozusagen in die "freie Wildbahn" entlasse. Und die können dort gut überleben.

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