Interview Konstantin Gräfe; Linksjugend Solid; Gleichstellung; öffentlicher Dienst
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SERIE: Jungpolitische Perspektiven

Mit gutem Beispiel voran

Nachholbedarf: Konstantin Gräfe fordert eine stärkere Geschlechtergleichstellung in den Verwaltungsspitzen / Kurz-Interview

Im Gespräch mit „Verwaltung der Zukunft“ erklärt der Schatzmeister und Bundessprecher der Linksjugend Solid, Konstantin Gräfe, dass die Behörden durch mehr Personal zu besseren Service-Leistungen kommen müssten. Bei digitalen Vorgängen mit dem Staat steht für ihn der Datenschutz der Bürger im Vordergrund.

„Verwaltung der Zukunft“: Gibt es ein Amt, ein Ministerium oder eine andere Behörde, die sie an dieser Stelle einmal richtig loben möchten? Was gibt Ihnen Anlass dazu?

Gräfe: Sicherlich zu loben sind die meisten Datenschutzbeauftragten der Länder. Sie haben in der Vergangenheit immer wieder auf eklatante Datenschutzverstöße hingewiesen und damit auch zur Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung hinsichtlich des notwendigen Schutzes der eigenen Daten beigetragen.

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Ich wünsche mir eine Verwaltung, die Bürger_innen mit ihren Anliegen ernst nimmt und auch die entsprechende Zeit einräumt.

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VdZ: Was haben Sie in den vergangenen Jahren in einer Verwaltung vielleicht erlebt, dass Sie geärgert hat und Grund zur Sorge gibt?

Gräfe: In der öffentlichen Verwaltung, gerade auch dort wo es um den direkten Kontakt mit den Bürger_innen geht, schlägt die Verbetriebswirtschaftlichung der Verwaltung mittlerweile voll durch. Das hat eben nicht zu mehr „Kundenorientierung“ geführt, sondern eher dazu, dass Menschen mit ihren Anliegen als Kostenfaktor betrachtet und entsprechend behandelt werden. Demgegenüber wünsche ich mir eine Verwaltung, die Bürger_innen mit ihren Anliegen ernst nimmt und auch die entsprechende Zeit einräumt.

VdZ: Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an eine „Verwaltung mit Zukunft“ denken?

Gräfe: Was sicherlich vielen sofort einfällt, ist der Wunsch, zukünftig nichtmehr für alles zum Amt rennen zu müssen, sondern gewisse Vorgänge auch digital von zu Hause abwickeln zu können. Das ist durchaus verständlich, gleichzeitig muss dabei auch der Datenschutz entsprechend gewahrt werden. Auch in einer digitalisierten Verwaltung müssen die Daten der Menschen vor unberechtigten Zugriffen des Staates und Dritter geschützt werden.

VdZ: Wie wird sich die Verwaltungsarbeit in den nächsten fünf Jahren verändern?

Gräfe: Die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, was teils an Privatisierungen, teils an Stellenabbau liegt. Mittlerweile ist aber bei vielen Verantwortlichen ein Umdenken zu beobachten. Zu hoffen ist, dass der Personalabbau im öffentlichen Dienst nun endlich ein Ende hat und die Priorität wieder auf die zur Erfüllung der Aufgaben notwendige personelle Ausstattung statt auf das Mantra der schwarzen Null gelegt wird.

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Der öffentliche Dienst sollte bei der Geschlechtergleichstellung als gutes Beispiel für den privaten Sektor vorangehen.

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VdZ: Wo sehen Sie in der deutschen Verwaltungslandschaft den größten Nachholbedarf?

Gräfe: Die Gleichstellung der Geschlechter ist sicherlich einer der wichtigsten, dauerhaften Herausforderungen vor denen auch die öffentliche Verwaltung steht. Gerade in den Verwaltungsspitzen ist hier noch großer Nachholbedarf. Der öffentliche Dienst sollte hier als gutes Beispiel für den privaten Sektor vorangehen.

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