Frauen in die IT; Dataport; Strategie; weiblich; Verwaltung; Digitalisierung
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Um aus dem Vollen zu schöpfen

Dataport fördert gezielt Frauen und stellt Geisteswissenschaftler ein / Interview

Wie gute Leute bekommen? Der IT-Markt scheint leergefegt. Und dann auch noch als staatliche Einrichtung. Im Gespräch mit Verwaltung der Zukunft erklärt die Personalchefin von Dataport, Anne Schassan, was der öffentliche IT-Dienstleister unternimmt, um die Bedingungen im Unternehmen gerade für Frauen attraktiv zu gestalten.
Anne Schassan, Personalleiterin Dataport; Digitalisierung; Frauen; Verwaltung
Anne Schassan ist Personalleiterin bei Dataport.
© Dataport

Verwaltung der Zukunft: Dataport wurde jüngst dafür ausgezeichnet, dass überdurchschnittlich viele Frauen im Unternehmen arbeiten – wie ist denn die Lage?

Schassan:  Als IT-Dienstleister haben wir 30 Prozent Frauen im Unternehmen. Damit liegen wir rund zehn Prozent über dem Durchschnitt in der IT-Landschaft. Auch unsere Führungskräfte sind zu 30 Prozent weiblich – das ist schon etwas Besonderes und einmalig in der Branche!      

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Als IT-Dienstleister haben wir 30 Prozent Frauen im Unternehmen. Damit liegen wir rund zehn Prozent über dem Durchschnitt in der IT-Landschaft.

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VdZ: Welche Maßnahmen unternehmen Sie, um möglichst viele Frauen für sich zu gewinnen?

Schassan: Dataport hat eine Förderstrategie für Frauen aufgelegt. Wir sprechen Schülerinnen und Auszubildende z. B. gezielt auf Girls Days an, um auf unsere zwölf Ausbildungsgänge aufmerksam zu machen. Hinzu kommen mehrere Schulkooperationen sowie Hochschulkooperationen in Hamburg und Schleswig-Holstein etwa in Fächern wie Informatik, Wirtschaftsinformatik und Elektrotechnik. Durch diese und weitere Maßnahmen haben wir es etwa geschafft, unsere Trainee-Stellen mittlerweile sogar zur Hälfte weiblich zu besetzen. Ganz neu bei uns ist auch ein Workshop, der  die Doppelrolle von Frauen in beruflicher Verantwortung und Familie thematisiert. Er soll Frauen unterstützen einen besseren Umgang mit dieser Herausforderung zu finden, ein Netzwerk aufzubauen und Strategien für die berufliche Entwicklung zu finden.

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Einige haben einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund, können bei uns praxisorientiert darauf aufbauen und sich für unsere IT-bezogenen Aufgaben qualifizieren und Karriere machen.

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VdZ: Und wie steht es um die Qualifikation der Bewerber?

Schassan: Wir werben oft um sehr gut qualifizierte Absolventinnen und Professionals. Das wird auch daran deutlich, dass in unseren Auswahlverfahren zwar nur rund 19 Prozent der Bewerber weiblich sind, am Ende aber 30 Prozent der ausgeschriebenen Stellen Frauen besetzen. Einige haben einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund, können bei uns praxisorientiert darauf aufbauen und sich für unsere IT-bezogenen Aufgaben qualifizieren und Karriere machen. Das ist offensichtlich attraktiv für viele gut qualifizierte, junge Frauen. 

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Neben technischem Verständnis sind vor allem kommunikative Fähigkeiten gefragt. Es geht darum, die Bedarfe von Anwendern und Nutzern bestmöglich zu verstehen und in die IT übersetzen zu können.

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VdZ: Gilt das denn auch für die wirklich technischen Berufsfelder? Und was haben junge Leute eigentlich vor Augen, wenn es um „Arbeiten bei Dataport“ geht?

Schassan: In den sehr technisch geprägten Aufgabenfeldern, in denen es sich um Infrastrukturen und Hardware dreht, liegt der Frauenanteil weiterhin unter 30 Prozent. Ein Großteil unserer Mitarbeitenden ist aber beratend tätig. Neben technischem Verständnis sind vor allem kommunikative Fähigkeiten gefragt. Es geht darum, die Bedarfe von Anwendern und Nutzern bestmöglich zu verstehen und in die IT übersetzen zu können – eine Schnittstellenfunktion, die im Übrigen nun bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes umso wichtiger wird! Frauen und Geisteswissenschaftlerinnen bringen diese Fähigkeiten oft mit. Für uns ist es deshalb wichtig, das Berufsbild nach außen hin noch klarer zu umreißen, um den Kreis der Interessenten zu vergrößern und so aus dem Vollen schöpfen zu können.

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Ob mit einer halben Stelle oder 80 Prozent – Führungskräfte können sich ihre Aufgabe in Tandems auch aufteilen.

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VdZ: Bieten Sie auch spezielle Coaching-Programme an, wie es andere Konzerne tun?

Schassan: Bei uns gibt es kein gesondertes Programm, in dem Frauen durch Frauen gefördert werden. Das „zieht“ nicht so richtig und erscheint uns zu einseitig – wir wollen, dass auch Männer Frauen fördern! Darüber hinaus haben wir natürlich ein externes Netzwerk, durch das wir regelmäßig unsere Fühler ausstrecken, um Talente und High Potentials aufzuspüren und nach Möglichkeit zu unterstützen.

Mitarbeiterin im Rechenzentrum; Beratung; Technik; Digitalisierung; Frauen
Nicht so sehr für die vollkommen technischen Berufe, aber in der Beratung, Kommunikation und in der "Übersetzung" von Problemlösungen in die IT: Viele gut ausgebildete Absolventinnen bewerben sich bei Dataport.
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VdZ: Absolventinnen und junge Talente finden ist das eine – wie aber langfristig im Unternehmen halten?

Schassan: Neben flexiblen und mobilen Arbeiten bieten wir all unseren Mitarbeitenden die Möglichkeit, verschiedene Teilzeitmodelle wahrzunehmen. Nach Ablauf eines vereinbarten Rahmens kann das Stundenkontingent wieder bis zu 100 Prozent aufgestockt werden. Das gilt auch für die Leitungsebene. Ob mit einer halben Stelle oder 80 Prozent – Führungskräfte können sich ihre Aufgabe in Tandems auch aufteilen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die Arbeitszeit so zu splitten, dass eine Aufgabe mit Personalverantwortung wahrgenommen wird und ein anderer Part fachlich-orientiert ausfällt. Denn für die Motivation ist nicht nur zeitliche, sondern auch inhaltliche Flexibilität wichtig. 

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Wir merken seit etwa zwei Jahren, dass unsere weiblichen Mitarbeitenden im Vergleich früher und mit mehr Stunden zurückkommen.

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VdZ: Woran merken Sie, dass Ihre Instrumente auch wirken?

Schassan: Neben unserem hohen Frauenanteil macht das zum Beispiel die Elternzeit deutlich. Wir merken seit etwa zwei Jahren, dass unsere weiblichen Mitarbeitenden im Vergleich früher und mit mehr Stunden zurückkommen. Im Durchschnitt erreichen die „Wiedereinsteiger“ heute im ersten Jahr 80 Prozent ihrer vorherigen Arbeitszeit.

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