Mauela Conte; DGB; Jugend; Verwaltung; Modernisierung; Digitalisierung
© DGB/Simone M. Neumann

Moderne Anreizstrukturen für demokratisches Engagement

Digitalisierung als Chance, Abläufe gemeinsam zu verbessern und stärker an jungen Menschen zu orientieren

Manuela Conte ist seit April 2017 DGB-Bundesjugendsekretärin. Im Gespräch mit „Verwaltung der Zukunft“ kritisiert die 35-Jährige, dass Fördermittel oft nicht einfach dem politischen Willen nach verteilt würden, sondern bürokratischen Eigenlogiken unterlägen. Gemeinsam mit Staat und Verwaltung will sie die Digitalisierung nutzen, um vorhandene Verwaltungsstrukturen aus ihrer Sicht legitimer zu gestalten.
Manuela Conte ist gelernte Reiseverkehrskauffrau umd engagiert sich seit Beginn ihrer Ausbildung ehrenamtlich in der Gewerkschaftsjugend. Nach einem gesellschaftspolitischen Studium war sie u. a. Jugendsekretärin in NRW und beim IG Metall-Vorstand für die strategischen Schwerpunkte der Jugendarbeit verantwortlich.
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„Verwaltung der Zukunft“:  Gibt es ein Amt, ein Ministerium oder eine andere Behörde, die sie an dieser Stelle einmal richtig loben möchten?


Conte: Wir arbeiten seit Jahrzehnten sehr gut mit dem Bundesministerium für  Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zusammen. Die etablierte partnerschaftliche Zusammenarbeit von Jugendverbänden und Ministerium ermöglichen die Mitbestimmung der Jugendverbände sowie, aufgrund von Rahmenvereinbarungen, eine für die eigenen Strukturen passende langfristige Jugendarbeit. Dies ist ein wichtiges politisches Signal und eine gute demokratische Tradition. Durch die Trägerautonomie in der Jugendhilfe wird zudem vielfältige Jugendarbeit ermöglicht und damit die Jugend passgenau und adressatengerecht erreicht. 

VdZ: Was haben Sie in den vergangenen Jahren in einer Verwaltung vielleicht erlebt, dass Sie geärgert hat und Grund zur Sorge gibt?


Conte: Sorgen entstehen dort, wo die demokratische Freiheit und Vielfalt der Jugendverbände und freien Träger von Kreisen bedroht werden, die antidemokratisch und antipluralistisch sind. Unsere freie, demokratische Vielfalt wird in guter Tradition gefördert.

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Gemeinsam mit anderen Jugendverbänden wünschen wir uns moderne, einfache Verfahren.

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VdZ: Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an eine „Verwaltung mit Zukunft“ denken?

Conte: Gemeinsam mit anderen Jugendverbänden wünschen wir uns moderne, einfache Verfahren. Kommunikation, Anträge und Verwendungsnachweise sollten über einfache, sichere und moderne Digital-Verfahren erfolgen. Solche Verfahren sind natürlich komplex, gerade wenn die Anwendung einfach und anpassbar sein soll. Neben Sicherheit und Datenschutz sind Flexibilität und Konfigurierbarkeit von zentraler Bedeutung.

VdZ: Wie wird sich die Verwaltungsarbeit in den nächsten fünf Jahren verändern?

Conte: Konstanz und Rechtssicherheit sind wichtig für unsere stabile demokratische Jugendarbeit. Zukünftige digitale Verfahren der partnerschaftlichen Zusammenarbeit können deshalb nur vom Ministerium, beteiligten Behörden sowie Jugendverbänden und anderen Trägern der freien Jugendhilfe gemeinsam aufgebaut werden.

Im Rahmen einer Digitalisierung besteht die große Chance gleichzeitig die partnerschaftlichen Abläufe und Strukturen gemeinsamen weiter zu verbessern und noch stärker an den jungen Menschen zu orientieren. Es bietet sich die Gelegenheit, moderne Anreizstrukturen zu schaffen und Jugendliche dadurch zu demokratischem Engagement zu motivieren. Qualität braucht Zeit. In den nächsten fünf Jahren geht es darum entsprechende Prozesse gemeinsam festzulegen.

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Zukünftige digitale Verfahren der partnerschaftlichen Zusammenarbeit können nur vom Ministerium, beteiligten Behörden sowie Jugendverbänden und anderen Trägern der freien Jugendhilfe gemeinsam aufgebaut werden.

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VdZ: Wo sehen Sie in der deutschen Verwaltungslandschaft den größten Nachholbedarf?

Conte: Neben der Digitalisierung haben wir das Problem, dass wir als Fördermittelempfänger in sekundäre Verwaltungslogiken gepresst werden, die für Bundesbehörden mit deren Verwaltungsstrukturen gestaltet wurden. Obwohl wir und die anderen freien Träger gemäß Grundgesetz frei in der Strukturierung unserer Organisationen sind, müssen wir unsere geförderte Arbeit anhand dieser nicht für uns zugeschnittenen Schablonen der Nebenbestimmungen ausrichten. Gute Standards, Transparenz, Datensicherheit und faire, angemessene Gleichbehandlung sind wichtig. Dies kann in einem modernisierten Recht der diversen Nebenbestimmungen erreicht werden, das unabhängig von den Vorgaben für echte Behörden erstellt wird und zwar extra an den Strukturen und Bedürfnissen der freien Trägerlandschaft ausgerichtet. Ziel soll sein, dass Nebenbestimmungen nicht die politisch gewollten Förderinhalte einschränken.