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Mobile Banking und Mobile Health

Die Digitalisierung Afrikas - Teil 2

Afrika ist auf dem Weg in eine mobile, digitale Zukunft. Besonders bei den Finanzdienstleistungen und im Gesundheitswesen wirken sich mobile Technologien auf die Entwicklung des Kontinents aus.

Per SIM-Karte Einkäufe bezahlen

2,5 Milliarden Menschen weltweit haben kein Bankkonto. Die klassische Infrastruktur zum Geldtransfer fehlt, Banken und Geldautomaten sind in Afrika wesentlich weniger verbreitet als etwa in Europa oder Nordamerika. Auch hier könnte man sagen: Weil es gar keine Infrastruktur gibt, fällt es leichter, gleich eine digitale zu schaffen.

Durch das Handy erhalten die betroffenen Menschen zwar nicht unmittelbar ein Bankkonto. Seit gut zehn Jahren gibt es jedoch die Möglichkeit, auf unkomplizierte Weise Guthaben auf seine SIM-Karte zu laden und mit diesem Guthaben per SMS Einkäufe zu bezahlen, Überweisungen zu tätigen oder es sich wieder als Bargeld auszahlen lassen. Mittels Handy können Lohnzahlungen empfangen werden und es lassen sich sogar kleine Kredite aufnehmen oder Geld anlegen.

Schalter Geld Cash Kreditkarte EC people, withdrawal, saving and finance concept - clerk giving cash money to customer at bank office or currency exchanger
Seit der Einführung mobiler Dienste hat sich auch die Zahl der klassischen Bankkonten vervielfacht.
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Über mobile Dienste auch zur mehr Bankkonten

In Kenia nutzen etwa zwei Drittel der Bevölkerung den Vorreiter „M-Pesa“, ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes wird über diesen Dienst abgewickelt. Längst gibt es Ableger und Nachahmer auch in vielen anderen Ländern. Millionen Menschen haben so Zugang zu sicherem Geldverkehr und brauchen keine Bank mehr, vermeintlich klassische Bankdienstleistungen liegen komplett in der Hand von Mobilfunkanbietern. Und trotzdem ist zu beobachten, dass sich seit der Einführung mobiler Dienste auch die Zahl der klassischen Bankkonten vervielfacht hat.

ID- und Blockchain-Verfahren für die Nothilfe

Auch für die Nothilfe bietet das mobile Banking ganz neue Möglichkeiten, denn es ist längst eine Binsenweisheit, dass in den meisten Krisensituationen, entweder von Anfang an oder wenigstens nach kurzer Zeit, ausreichend Waren und Güter vorhanden sind – dass sie sich nur diejenigen nicht leisten können, die Betroffene der jeweiligen Notlage wurden. Opfern wäre demzufolge schon mit einer finanziellen Unterstützung geholfen, die sie über ihr Handy abrufen können. Biometrische Identitätsverfahren könnten die nötige Sicherheit bieten – und großangelegte Hilfsgüterverteilungen würden sich nach kürzester Zeit erübrigen. Auch (größere) Versicherungsleistungen könnten etwa mithilfe der Blockchain-Technologie sicher übertragen werden.

Führend bei mobilen Geldtransfers

Das mobile Bezahlen steht beispielhaft für die Wirkungen von Digitalisierung und Vernetzung in afrikanischen Gesellschaften. Afrikanische Unternehmen gelten inzwischen sogar als weltweit führend, wenn es um mobilen Geldtransfer geht. Schon 2015 wurden 52 Prozent aller weltweiten Transaktionen des Bezahlens per Handy in Afrika abgewickelt.

Handy-Quiz sorgt für häufigere Aids-Tests

Auch im Gesundheitswesen ermöglichen Mobiltelefone den Zugang zu neuen Services, etwa im Bereich der Gesundheitsvorsorge. In Uganda wurde beispielsweise mit einem Handy-Quiz ein 40-prozentiger Anstieg der HIV-/Aids-Tests bewirkt. Andere Projekte zielen etwa auf Informationen über Bedarf und Lagerung von Medikamenten mithilfe SMS-gestützter Informationssysteme ab.

App erkennt Atemrhythmus von Babys

In manchen Bereichen macht die Telemedizin via Smartphone sogar schon den persönlichen Besuch von Ärzten oder Krankenhäusern entbehrlich, und dies nicht nur, indem mobil medizinischer Rat eingeholt werden kann. Beispielsweise wurde längst eine App als Alternative zum herkömmlichen Abhören von Babys entwickelt, die ihr Alter, Gewicht, Position und Atemrhythmus erkennt und darauf reagiert. Eine andere App beantwortet Fragen von Müttern zur Entwicklung ihrer Kinder und gibt praktische Tipps zur Ernährung, Ratschläge zur ersten Hilfe sowie Informationen zum nächstgelegenen Krankenhaus. Über eine weitere App können Krankentransporte gerufen werden, sie erinnert aber auch per SMS-Alarm Schwangere an ihre Untersuchungstermine oder Aidspatienten an die Einnahme ihrer Medizin.

Skype Videokonferenz Konferenz Support Service Generation Jung Alt Gespräch Female doctor in her surgery office with headset in front of her laptop, an x-ray of a foot in hand, talking with a senior patient, telemedicine concept
Die Digitalisierung ermöglicht einen direkten Austausch von Informationen zur Diagnose oder Therapie der Patienten.
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Ärzte und Krankenhäuser vernetzen

Doch nicht nur Patienten, sondern auch Ärzten verschafft mobile Technologie in ländlichen, abgelegenen Regionen einen Zugang zu medizinischen Informationen im Internet und bindet sie an entfernte Krankenhäuser an. So ermöglicht sie etwa einen direkten Austausch von Informationen zur Diagnose oder Therapie ihrer Patienten oder über die Ausbreitung von Epidemien.

Dadurch wird auch die Arbeit freiwilliger Gesundheitshelfer erleichtert, wenn nicht gar erst ermöglicht. Per App erhalten sie Zugang zu Beratung und Betreuung durch medizinisches Fachpersonal, indem sie entweder per Notfallnummer direkt mit Betreuern sprechen können oder per SMS Fragen beantwortet bekommen – bis hin zu Ferndiagnosen.

Per Drohne: Paket liefern und Blutproben einsammeln

Die Lieferung erforderlicher Medikamente wurde gerade von DHL und dem deutschen Startup Wingcopter mit dem Paketkopter 4.0 erfolgreich in Tansania erprobt. Das Fazit lautet: Drohnen – und hierbei geht es nicht um die niedlichen Modellhubschrauber, die bei uns zum Fotografieren aus der Luft eingesetzt werden – können die Versorgung entlegener Gebiete geradezu revolutionieren. Im durchgeführten Pilotprojekt wurden sie neben der Belieferung mit Medikamenten auch eingesetzt, um auf dem Rückweg Blutproben in Labore zu bringen.

Bald unbemannte Flug-Krankentransporte?

Andere Projekte transportieren etwa Blutkonserven in Ruanda oder zielen darauf ab, perspektivisch mit unbemannten Ambulanzdrohnen Krankentransporte zu ermöglichen, die automatisch das Patientenwohl analysieren und darauf reagieren. Schon heute können Drohnen dazu beitragen, etwa die Ausbreitung von Viruserkrankungen wie Ebola zu bekämpfen.

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