Brücke Heidelberg
SERIE: Chief Digital Officer – Profile, Erwartungen, Strategien

Mit Amt, Agentur und Stadtwerken die richtigen Brücken bauen

Heidelbergs OB Würzner im Interview: alle Lebensbereiche in der Stadt intelligent vernetzen / CDO bald in zentraler Funktion

Heidelberg hat einiges vor. Die Stadt am Neckar hat im vergangenen Jahr eine Digital-Agentur gegründet und plant nun einen Chief Digital Officer (CDO) ins Amt zu holen. Dieser soll als operativer Arm in die Stadtverwaltung hineinwirken und für die Umsetzung verwaltungsnaher Projekte zuständig sein. „Verwaltung der Zukunft“ sprach mit Oberbürgermeister Prof. Eckart Würzner über heutige und künftige Anforderungen sowie neue Strukturen und Projekte, die Bürgern und Stadtverwaltung schon jetzt nützen.
Prof. Eckart Würzner; OB; Stadt Heidelberg; Digitalisierung
Prof. Eckart Würzner ist Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg.
© Stadt Heidelberg/Hentschel

Verwaltung der Zukunft: Vor welchen Aufgaben steht Heidelberg mit Blick auf die Digitalisierung?

Würzner: Wir möchten in erster Linie die Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger weiter erhöhen, die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt und der ansässigen Unternehmen steigern, die Standortfaktoren verbessern und die digitale Fachkompetenz weiterentwickeln.

Die digitale Stadt Heidelberg macht dabei genau das, was Heidelberg schon seit Jahrhunderten auszeichnet: Wir nutzen sehr konsequent die Chancen, die sich aus Innovationen ergeben. Dabei steht immer der Mensch im Mittelpunkt. So gehen wir es auch bei der Digitalisierung an: Wir nutzen die Digitalisierung, um das Leistungsniveau in allen Lebensbereichen zu verbessern. Das reicht von neuen Formen der Bürgerbeteiligung über Bildungsangebote bis zu smarten Lösungen in den Bereichen Medizin, Energie und Verkehr.

VdZ: Viele Kommunen entscheiden sich mittlerweile, den neuen Anforderungen durch einen CDO zu begegnen. Warum ist Heidelberg diesen Schritt bislang nicht gegangen?

Würzner: Wir möchten durchaus die Position eines CDOs bei der Stadt Heidelberg einrichten. Der CDO soll in Zukunft, so sehen es die Planungen vor, in einem neu geschaffenen Amt für Digitales und Informationsverarbeitung für die Digitalisierung zuständig sein – beispielsweise für den Ausbau des öffentlichen WLAN-Netzes im Stadtgebiet und die Weiterentwicklung im Bereich Open Government. Der CDO soll hierbei sozusagen die Schnittstelle zur Stadtgesellschaft bilden. Die neue Struktur wird derzeit noch erarbeitet und muss noch beschlossen werden.

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Der CDO soll als operativer Arm der Digital-Agentur in der Stadtverwaltung für verwaltungs-relevante Themen fungieren und die Umsetzung dort vorantreiben.

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VdZ: Statt einen CDO zu installieren, haben Sie im letzten Jahr aber erst einmal eine „Digital-Agentur“ gegründet. Wie ist das zu verstehen?

Würzner: Die Digitalisierung in Heidelberg soll künftig sowohl durch einen CDO als auch durch die Digital-Agentur Heidelberg GmbH vorangetrieben werden. Die 2017 durch die Stadt gemeinsam mit den Stadtwerken Heidelberg – einer hundertprozentigen Tochter – gegründete Digital-Agentur ist unsere Entwicklungsgesellschaft für Projekte im Bereich der (digitalen) Daseinsvorsorge. Dort werden Ideen aufgegriffen, entwickelt, verfolgt oder verworfen. Wenn daraus neue Angebote oder Services etwa in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Mobilität, Tourismus, Sicherheit, Energie und Umwelt entstehen könnten, wendet sich die Digital-Agentur an die Stadtverwaltung, an die Stadtwerke oder an externe Partner wie Forschungseinrichtungen der Kliniken oder Unternehmen, damit die Ideen dort weiterentwickelt und gegebenenfalls implementiert werden. Der CDO soll dann als operativer Arm der Digital-Agentur in der Stadtverwaltung für verwaltungsrelevante Themen fungieren und die Umsetzung dort vorantreiben.

Stadt Heidelberg; Digitalisierung
Alte Strukturen weiterentwickeln: die Stadt Heidelberg richtet ihre Stadtverwaltung auf Digitalisierung aus.

VdZ: Neben der Digital-Agentur ist am Referat des Bürgermeisters auch Ihre „Koordinationsstelle für digitale Aktivitäten“ angesiedelt. Wie kann man sich hier die künftige Zusammenarbeit vorstellen?

Würzner:  Wir arbeiten derzeit an der Weiterentwicklung der Strukturen für die Zukunft. Vorgesehen ist ein neues Amt für Digitales und Informationsverarbeitung. Es soll künftig innerhalb der Stadtverwaltung die Prozesse zur Digitalisierung strukturieren und vernetzen. Zwischen der bisherigen Struktur im Referat des Oberbürgermeisters unter Leitung von Nicole Huber, der Digital-Agentur und dem geplanten neuen Amt soll es einen regelmäßigen und intensiven Austausch geben. Das große Ziel der Stadt Heidelberg ist, gemeinsam mit der Digital-Agentur, den Stadtwerken und weiteren Partnern die Digitalisierung und intelligente Vernetzung aller Lebensbereiche in Heidelberg voranzutreiben.

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Die durch Stadt gemeinsam mit den Stadtwerken Heidelberg gegründete Digital-Agentur ist unsere Entwicklungsgesellschaft für Projekte im Bereich der digitalen Daseinsvorsorge. Dort werden Ideen aufgegriffen, entwickelt, verfolgt oder verworfen.

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VdZ:  Vor dem Hintergrund dieser ganzen Vorhaben: Profitieren Ihre Bürger und die Mitarbeiter Ihrer Stadtverwaltung auch heute schon von städtischen Digitalisierungsprojekten?

Würzner: Schon jetzt bringt die Digitalisierung den Heidelbergerinnen und Heidelbergern in vielen Bereichen Vorteile: Im neuen Stadtteil Bahnstadt helfen z. B. flächendeckend in den Wohnungen installierte Smart Meter – intelligente Zähler – bei der Kontrolle des Stromverbrauches und beim Stromsparen. Das digitale und mehrfach ausgezeichnete Bürgerbeteiligungsformat #HolDenOberbürgermeister schafft ganz neue Möglichkeiten, sich aktiv in die Stadtpolitik einzubringen. Und das WLAN-Netz „Heidelberg4you“ bietet – dank einer Kooperation mit der Universität Heidelberg – an rund 180 Standorten kostenloses Internet und ist damit eines der größten öffentlichen WLAN-Netze in Deutschland.

Von der Digitalisierung können auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der kommunalen Verwaltung profitieren: Während die Heidelbergerinnen und Heidelberger die Möglichkeit haben, ihre Formulare digital zu bearbeiten und sich den Weg ins Rathaus zu ersparen, können die Verwaltungsmitarbeiter mit den digitalen Informationen direkt weiterarbeiten und sich das zeitraubende Eingeben am Computer sparen.

VdZ:  Können Sie grob umreißen, wie Sie sich die Digitalisierungsarbeit der Stadt Heidelberg in den nächsten Jahren vorstellen und woran Sie Erfolg messen wollen?

Würzner: Der Erfolg unserer Digitalisierungsarbeit bemisst sich in erster Linie daran, welcher Nutzen sich dadurch für die Bürgerinnen und Bürger ergibt. Wir wollen in den kommenden Jahren die verschiedensten Lebensbereiche in der Stadt intelligent miteinander vernetzen. Die Kooperation mit starken Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung, Politik und Bürgerschaft ist dabei der Schlüssel, um gute Ideen auch in Praxisanwendungen zu überführen. Heidelberg hat in Sachen Digitalisierung schon eine ganze Menge geschafft, aber es gibt auch noch viel Luft nach oben – daran werden wir weiterarbeiten. Einige Projekte befinden sich bereits in der Umsetzung oder stehen in den Startlöchern.

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Nehmen Sie z. B. das Projekt digitale Bauakte, das wir vergangenes Jahr umgesetzt haben: Statt sämtliche Bauvorlagen, Planänderungen, Stellungnahmen und Schriftwechsel in Papierform abzuwickeln, gibt es nun eine elektronische Bauakte

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Nehmen Sie z. B. das Projekt digitale Bauakte, das wir vergangenes Jahr umgesetzt haben: Statt sämtliche Bauvorlagen, Planänderungen, Stellungnahmen und Schriftwechsel in Papierform abzuwickeln, gibt es nun eine elektronische Bauakte. Auf sie können Bauherren, Architekten und Fachämter gemeinsam digital zugreifen – mit individuellen Lese- und Schreibrechten. Davon profitieren alle Beteiligten.

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Kommunen müssen Unternehmen auf dem Weg in die digitale Welt begleiten und stehen der Zivilgesellschaft als Moderator und Partner zur Seite.

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VdZ: Was können Sie anderen Kommunen durch Ihre eigenen Erfahrungen mitgeben?

Würzner: Eine digitale Gesellschaft beginnt genau dort, wo Menschen die Prinzipien des Open Government leben und ihre Potenziale ausschöpfen können. Digitalisierung ist also Teil der Stadtentwicklung. Kommunen müssen Unternehmen auf dem Weg in die digitale Welt begleiten und stehen der Zivilgesellschaft als Moderator und Partner zur Seite.

Die Stadt Heidelberg nimmt diese koordinierende Funktion im Digitalisierungsprozess wahr. Die Digital-Agentur hat eine aktive Mittlerrolle und bringt die Anbieter von digitalen Lösungen mit der Stadtverwaltung und Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen – auch mit privaten Unternehmen und Einzelpersonen. Ziel ist, die entstehenden Kooperationen zu begleiten bis die Projekte selbstständig laufen. Natürlich ist es für die Kommunen dabei auch wichtig, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen, Ängsten vorzubauen und Sorgen ernst zu nehmen. Deswegen haben wir die Bürgerschaft von Beginn an eingebunden – das hat sich bewährt.

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