Ria Schröder; Julis; Verwaltung; Modernisierung
© James Zabel
SERIE: Jungpolitische Perspektiven

"Englisch als zweite Verwaltungssprache"

Verwaltung zum Vorbild: für echten Bürgerservice, mutige Technologien und höchste Ansprüche bei Datenschutz und -sicherheit / Interview mit Ria Schröder

Im Gespräch mit „Verwaltung der Zukunft“ betont die Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen (Julis), Ria Schröder, die staatspolitische Bedeutung der Behörden. Die 26-jährige Juristin spricht sich für mehr Flexibilität im öffentlichen Dienst und größeren Spielraum im Austausch mit der Wirtschaft aus. Auch die Verwaltung müsse die „Generation Y“ für sich gewinnen.
Ria Schröder; Julis; Verwaltung; Modernisierung
Ria Schröder ist seit 2018 Bundesvorsitzende der rund 10.000 Mitglieder zählenden Jungen Liberalen (Julis).
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Verwaltung der Zukunft: Gibt es ein Amt, ein Ministerium oder eine andere Behörde, die sie an dieser Stelle einmal richtig loben möchten? Was gibt Ihnen Anlass dazu?

Schröder: Ich möchte nicht eine konkrete Behörde hervorheben, sondern die Chance nutzen, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im öffentlichen Dienst zu danken. Sie setzen sich jeden Tag für die Belange der Menschen in unserem Land und für das Funktionieren unseres Staatswesens sein. Das verdient großen Respekt und dafür möchte ich auch persönlich Danke sagen.

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Dass Seehofer Maaßen für seine unabgesprochenen Alleingänge auch noch befördern wollte, ist ein Schlag ins Gesicht aller Angestellten im Öffentlichen Dienst, die ihren Dienstherren gegenüber loyal sind.

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VdZ: Was haben Sie in den vergangenen Jahren in einer Verwaltung vielleicht erlebt, dass Sie geärgert hat?

Schröder: Ich habe mich sehr darüber geärgert, dass der Ex-Präsident des Verfassungsschutzes immer wieder öffentlich Behauptungen aufstellt, die er später revidiert, nicht so gemeint haben will oder nicht belegen kann. So geht Vertrauen in den Rechtsstaat verloren. Dass Seehofer Maaßen für seine unabgesprochenen Alleingänge auch noch befördern wollte, ist ein Schlag ins Gesicht aller Angestellten im Öffentlichen Dienst, die ihren Dienstherren gegenüber loyal sind.

VdZ: Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an eine „Verwaltung mit Zukunft" denken?

Schröder: Erstens: Die Digitalisierung muss endlich in den Behörden ankommen. Ich wünsche mir, dass Deutschland Vorreiter im eGovernment wird. Viele Standardprozesse, wie etwa Personalausweisverlängerung oder das Beantragen eines Führungszeugnisses, könnte man in einem digitalen Bürgerportal zu Hause vom Sofa erledigen und nur zur Identifizierung und Abholung aufs Amt kommen. Dann haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort mehr Zeit für Anfragen, die etwas komplizierter sind oder mehr Beratung benötigen. Digitalisierung ist eine Chance, die die Verwaltung noch viel mehr für sich und für die Bürgerinnen und Bürger nutzen muss.


Die Öffnung für Quereinsteiger und die Möglichkeit, trotz Beamtenkarriere einige Jahre in der freien Wirtschaft zu arbeiten, bergen Chancen für die Zufriedenheit von Mitarbeitern wie für die Behörden selbst.


Zweitens, steht auch die Verwaltung vor der Herausforderung, die sogenannte „Generation Y“ als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu gewinnen. Die starre Beamtenlaufbahn bringt für viele nicht die Flexibilität, die sie sich wünschen. Die Öffnung zu Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern einerseits – und andererseits die Möglichkeit trotz Beamtenkarriere einige Jahre in der freien Wirtschaft zu arbeiten, um dann zurückzukehren, bergen Chancen für die Zufriedenheit von Mitarbeitern wie für die Behörden selbst, die von den zusätzlichen Erfahrungen profitieren.

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Darauf muss sich auch die Verwaltung einstellen und Englisch als zweite Verwaltungssprache einführen.

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VdZ: Wie wird sich die Verwaltungsarbeit in den nächsten fünf Jahren verändern?

Schröder: Wir haben einen gewachsenen Verwaltungsapparat in Deutschland und sind Bürokratieweltmeister. Das ist lange Zeit eine Stärke gewesen, aber heute gibt es neue Möglichkeiten: Die Blockchain-Technologie könnte die Arbeit des Grundbuchamts vereinfachen und die Beratung bei einer Unternehmensgründung möglicherweise online über einen Chat-Bot, der auf einem lernenden Algorithmus basiert, geschehen. Ich wünsche mir, dass solche Veränderungen als Chance und nicht als Bürde gesehen werden.

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Fehler, die etwa beim BAMF oder im Bundesamt für Verfassungsschutz geschehen sind, müssen konsequent aufgearbeitet werden, damit verlorengegangenes Vertrauen wiederhergestellt wird.

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Außerdem müssen wir endlich akzeptieren, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Hoffentlich gibt es bald ein Einwanderungsgesetz, das sich mit den Regeln qualifizierter Zuwanderung, Spurwechsel und der elementaren Frage der Integration befasst. Darauf muss sich auch die Verwaltung einstellen und Englisch als zweite Verwaltungssprache einführen. Das wäre ein wichtiges Zeichen für Fachkräfte und Expats aus allen Branchen.

VdZ: Wo sehen Sie in der deutschen Verwaltungslandschaft den größten Nachholbedarf?

Schröder: Das Vertrauen in die Verwaltung ist auch ein wichtiger Gradmesser für das Vertrauen der Menschen in den Rechtsstaat. Fehler, die etwa beim BAMF oder im Bundesamt für Verfassungsschutz geschehen sind, müssen konsequent aufgearbeitet werden, damit verlorengegangenes Vertrauen wiederhergestellt wird. Die deutsche Verwaltung gilt zudem oft als träge und bürokratisch. Ich wünsche mir, dass die Verwaltung wieder zum Vorbild wird: Für echten Bürgerservice, für mutige und effiziente Nutzung neuer Technologien, sowie für höchste Ansprüche bei Datenschutz und Datensicherheit.

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