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SERIE: Wie der öffentliche Dienst zum attraktiven Arbeitgeber wird

Kitas im Mittelpunkt

Fachkräftemangel: Tübingen verdreifacht Budget für Stellenausschreibungen / Vergütungs-, Qualifizierungs- und Werbemaßnahmen

Der Personalbeschaffungsmarkt sei nahezu für alle Berufsgruppen angespannt und hart umkämpft, teilt die Universitätsstadt Tübingen mit und hat das Budget für Stellenausschreibungen in den letzten vier Jahren verdreifacht. Mit zielgruppengerechteren Ausschreibungen, höheren Eingruppierungen und weniger Befristungen will die Neckar-Stadt reagieren. Erster Schwerpunkt: Kitas.

Tübingen erarbeitet schrittweise ein Konzept für die strategische Personalgewinnung und langfristige Personalbindung. Zuerst sollen die städtischen und freien Kindertageseinrichtungen davon profitieren, in denen aktuell der größte Engpass besteht. Neben harten Faktoren wie Bezahlung und finanziellen Anreizen hält die Stadtverwaltung die Bedeutung weicher Aspekte für zunehmend wichtig. Dazu gehören z. B. die Ausstattung des Arbeitsplatzes, Angebote zur personellen Gesundheitsförderung und Kinderbetreuung für Mitarbeiter.

Rathaus Tübingen; Verwaltung; Fachkräftemangel; Erzieher; Konzept; Personal; Akquise
Die Stadtverwaltung Tübingen umfasst rund 1.650 Mitarbeitende. Im Bild: das historische Rathaus.
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Stellen bis zu fünfmal ausschreiben

Im Vergleich zu anderen Städten kann die Universitätsstadt noch immer offene Stellen besetzen, der dafür notwendige Aufwand wird jedoch immer größer. Seit ein bis zwei Jahren müssten Stellen verstärkt mehrfach ausgeschrieben werden. In Einzelfällen seien Ausschreibungen bis zu vier, fünf Mal erforderlich, erklärt die Stadtverwaltung. Eine nicht lückenlose Besetzung von Fachkraftstellen bedeutet gerade für den Betrieb von Kindertageseinrichtungen eine erhebliche Belastung – bis hin zur Einschränkung von Betriebs- und Öffnungszeiten. Die Fachabteilung Kindertagesbetreuung erfasst deshalb seit zwei Jahren die monatliche die Zahl unbesetzter Stellen.

Knapp fünf Prozent vakant

Demnach waren im Juli 2018 16,8 Stellen (4,6 Prozent) vakant. Noch im Juli 2017 lag die Zahl bei nur zwölf Stellen (3,4 Prozent). Im Durchschnitt waren im Kindergartenjahr 2016/17 ca. 9,5 Stellen (2,6 Prozent) und in 2017/18 rund 12,3 Stellen (3,2 Prozent) unbesetzt. Das Problem der Fachkraftgewinnung für die städtischen Einrichtungen würde sich in ähnlicher Weise auch für die freigemeinnützigen Träger darstellen.

Ansatzpunkte attraktiver Arbeitsbedingungen

  • Qualifizierung und Ausbildung
  • Beschaffung und Öffentlichkeitsarbeit (Personalakquise)
  • Strukturelle Verbesserungen in den Kindertageseinrichtungen zur Personalbindung
  • Organisatorische Maßnahmen zur Entlastung der pädagogischen Arbeit
  • Gesundheitsförderung

Personalbedarf wegen Kita-Ausbauprogramm

Darüber hinaus gibt es aufgrund des „Ausbauprogramms Kindertageseinrichtungen“ künftig weiteren Personalbedarf: In den Jahren 2019 und 2020 müssen für insgesamt 23 neue Kita-Gruppen etwa 70 pädagogische Fachkräfte und vier neue Leitungen eingestellt werden.

Fachübergreifende Projektgruppe

Um Lösungsmöglichkeiten für die absehbaren Engpässe zu erarbeiten, hat Tübingen vergangenes Jahr das Projekt „Strategisches Personalmarketing und langfristige Personalbindung“ ins Leben gerufen. Für den Pilotbereich Kita liegt die Federführung im Fachbereich Personal, Organisationsentwicklung und Informationstechnik. Beteiligt sind zudem der Fachbereich Bildung, Betreuung, Jugend und Sport, die Personalvertretung sowie auf fachlicher Ebene ebenso Vertretungen freigemeinnütziger Träger.

Für den Haushaltsplanentwurf 2019 wurden 6,5 zusätzliche Stellen mit dem Zweck auf-genommen, unterjährig Personal besser zu binden, wenn keine direkte Einstellung in Einrichtungen möglich ist. Die Fachkräfte werden als weitere Vertretungskräfte geführt.

Frühere und aktuelle Maßnahmen

Bereits in der Vergangenheit wurden einige Maßnahmen zur Personalgewinnung und -bindung umgesetzt. Dazu gehört z. B. die Weiterqualifizierung von Kinderpflegerinnen samt Kostenübernahme, neue Ausbildungsplätze für die praxisintegrierte Ausbildung (PIA) sowie eine sechsmonatige Übernahmegarantie für geeignete pädagogische Fachkräfte nach der Ausbildung für sechs Monate. Aus einer Beschlussvorlage des Tübinger Gemeinderats gehen weitere Vorhaben für die Personalgewinnung und -bindung hervor, die zumeist schon umgesetzt werden:

Arbeitsverträge

  • Reduzierung der Befristung von Stellen: Die Ausschreibung von Elternzeitvertretungen erfolgt seit 2018 unbefristet.
  • Für die Stufenzuordnung werden als Bestandteil der Eingruppierung bei Neueinstellungen im Falle einer gleichwertigen Tätigkeit die bisherigen Erfahrungsstufen regelhaft anerkannt.

Personalakquise und Öffentlichkeitsarbeit

  • Für den Haushaltsplanentwurf 2019 wurden 6,5 zusätzliche Stellen mit dem Zweck auf-genommen, unterjährig Personal besser zu binden, wenn keine direkte Einstellung in Einrichtungen möglich ist. Die Fachkräfte werden als weitere Vertretungskräfte geführt. Die Finanzierung dieser Maßnahme erfolgt durch Minderausgaben auf Grund nicht besetzter Fachkraftstellen in den Kitas.
  • Stellenausschreibungen wurden inhaltlich neu gestaltet. Hervorgehoben werden die guten Unterstützungsleistungen für die Einrichtungen wie Fachdienste, Supervision, Qualifizierungsangebote etc. und die Entwicklungsmöglichkeiten bei der Vergütungsgruppe für Leitungen bei Vollbelegung einer Einrichtung
  • Verkürzung der Durchlaufzeiten bei den Stellenbesetzungsverfahren, um schneller auf den Arbeitsmarkt reagieren zu können
  • Zielgruppenspezifische Werbung für den Arbeitsplatz in den Kindertageseinrichtungen auf der Homepage der Stadt

Personalbindung

  • Die Anschlussbeschäftigung der Auszubildenden wird durch Personalgespräche, Stellenangebote und Übernahmegarantien frühzeitig aktiv gesteuert. Ebenso fördert die Stadt den Wiedereinstieg von pädagogischen Fachkräften oder die berufliche Weiterentwicklung durch die Übernahme von Leitungsfunktionen.
  • Für die jährliche Bewertung der Leitungsstellen nach TVöD werden unter Berücksichtigung der durch die ZAK vergebenen Plätze die tatsächlich belegten Plätze im Referenzzeitraum Oktober bis Dezember berücksichtigt.

Qualifizierung und Ausbildung

Während die obigen Maßnahmen aus der Tübinger Stadtverwaltung heraus erfolgen, brauchte es für weitere Ideen zur Qualifizierung und Ausbildung einen politischen Beschluss. So hat die Verwaltung für den Haushalt 2019 drei weitere PIA-Stellen vorgeschlagen. Mit dann insgesamt 30 solcher Stellen und 27 Ausbildungsstellen für Berufspraktikantinnen und Berufspraktikanten bildet die Stadtverwaltung knapp 60 künftige pädagogische Fachkräfte aus. Zu deren Entlastung von fachfremden Tätigkeiten sollen weitere 0,93 Stellen für hauswirtschaftliche Hilfskräfte hinzukommen. Zudem ist eine weitere Überlegung Erzieherinnen und Erzieher, die ihre PIA-Ausbildung bei der Stadtverwaltung absolvieren, danach in Entgeltgruppe S 8a, Erfahrungsstufe 2 einzugruppieren. Dies ist bisher aufgrund des Tarifvertrags nur für jene möglich, die ein Berufspraktikum absolviert haben.

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