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Mit Topic Detection gegen Fake-News

Chancen und Risiken sozialer Medien

Soziale Medien bieten den Behörden vielfältige Chancen, etwa in Notfällen und Krisensituationen. Sie bergen aber auch verschiedene Risiken wie (gezielte) Falschinformationen und die Irreführung von Bevölkerung und Einsatzkräften. Über die Herausforderungen für die Behörden.
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Die große Reichweite macht sie auch für den öffentlichen Austausch interessant.

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Verbreitung sozialer Medien

Soziale Medien werden immer populärer, ihre Nutzung als Informations- und Kommunikationskanäle hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. In Deutschland zählen neben Blogs und Foren vor allem soziale Netzwerke (Online Social Networks, kurz: OSN) wie Facebook, Twitter, YouTube, Instagram und Google+ zu den am weitesten verbreiteten Plattformen. Die zunehmende Verbreitung mobiler Anwendungen und Endgeräte erlaubt eine orts- und zeitunabhängige Nutzung; durch ihren daraus resultierenden Gebrauch als fester Bestandteil des alltäglichen Lebens vieler Menschen nimmt nicht nur die Bedeutung dieser Medien stetig zu, sondern die große Reichweite macht sie neben dem privaten auch für den öffentlichen Austausch interessant.

Nutzung in Notfällen und Krisensituationen

Während des Hochwassers 2013 ist erstmalig öffentlich wahrgenommen worden, dass immer mehr Menschen auch in sicherheitskritischen Kontexten wie Notsituationen, Krisen- oder Katastrophenlagen soziale Medien nutzen. In Umfragen gab rund die Hälfte der Befragten an, in selbst erlebten Notfällen oder Krisensituationen Social Media als Informationsquellen bzw. zum Informationsaustausch genutzt zu haben – wobei aber nur ein gutes Drittel auch die Nützlichkeit bejahte.

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Zwei Drittel der Menschen erwarten auch ein aktives Medienmonitoring.

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Erwartungshaltung der Bevölkerung

Den Nutzern geht es in erster Linie um Informationsbeschaffung und -weiterleitung. Allerdings haben sie dabei konkrete Erwartungen an die zuständigen Stellen und Behörden. Diese beziehen sich nicht nur allgemein darauf, dass relevante Informationen zur Verfügung gestellt werden und dabei sichergestellt ist, dass keine Gerüchte, unwahre oder fehlleitende Angaben geteilt werden. Sondern mehr als zwei Drittel der Menschen erwarten auch ein aktives Medienmonitoring durch die Behörden, das eine zeitnahe Beantwortung gestellter Fragen sowie eine Generierung von Benachrichtigungen und Alarmmeldungen erlaubt.

Nutzungsmöglichkeiten für Behörden

Die Bedeutung und das Potential von Social Media in derartigen Krisensituationen wird zunehmend erkannt. Die genutzten Informations- und Kommunikationstechniken (IKT) reichen längst über soziale Medien hinaus und umfassen auch diverse Krisen-Apps, die neben dem Krisenmanagement etwa Informationen zur Vorbereitung oder zum Verhalten im Krisenfall enthalten. Als weitere nutzbringende Anwendungsfälle werden zudem (Früh-) Warnungen, Statusaktualisierungen, (interne) Kommunikation, Helferkoordination oder Erfahrungsaustausch erachtet.

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Fake News begründen einen Handlungsbedarf bei den Behörden.

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Risiken und Herausforderungen

Mit der wachsenden Anzahl an Medienkanälen und der immer schnellen Verbreitung von Inhalten gehen zahlreiche Gefahren einher: Damit, dass ein Übermaß an Information zu einer Informationsüberflutung führen kann, muss eine freie Gesellschaft zurechtkommen. Fake News, unklare Quellen und unvollständige Informationen begründen jedoch einen Handlungsbedarf bei den Behörden, zumal auch drei Viertel der Bevölkerung falsche Gerüchte in sozialen Medien als Bedrohung empfinden und zwei Drittel sozialen Medien in Gefahrenlagen nicht vollständig vertrauen wollen.

Technische Manipulation

Längst werden insbesondere soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter zur Manipulation persönlicher Wahrnehmung, öffentlicher Diskurse, Desinformationen und Propaganda missbraucht. Es werden nicht nur Nachrichten, Bilder und Videos verbreitet, sondern auch von bezahlten Autoren Einträge kommentiert, Meinungsäußerungen gefälscht oder Nutzer zu Fake-Seiten umgeleitet, die eine falsche Identität vortäuschen. Hierfür werden reguläre, gehijackte oder Fake-Benutzerprofile, aber auch (Social) Bots oder – im Rahmen von Denial-of-Service (Dos)-Angriffen – organisierte Bot-Netze verwendet, die als teil- oder vollautomatische Programme ein Benutzerprofil steuern können und etwa zum Spam von Nachrichten, zum Retweeten (auf Twitter) oder zum Posten von Inhalten anderer Webseiten verwendet werden.

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Behördenmitarbeiter sehen selbst zahlreiche Herausforderungen.

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Vorbehalte in den eigenen Reihen

Behördenmitarbeiter sehen selbst zahlreiche Herausforderungen – nicht nur einen Mangel an Personal und Zeit, Strategien und Richtlinien, Erfahrung und Wissen. Sondern ihnen geht es auch um den chaotischen Gebrauchs sozialer Medien und die damit verbundene Informationsüberflutung, um die enormen Datenmengen, die zu monitoren sind, und die daraus entstehenden Risiken der Fehlerkorrektur. Doch die Vorbehalte beziehen sich nicht nur auf die fehlende Validität der Richtigkeit der angebotenen Informationen. Vielmehr bezweifeln sie auch den Informationsmehrwert gegenüber klassischen Notrufen, die Verfügbarkeit in kleinen Einsatzlagen und die Verlässlichkeit des Netzes.

Lösungsansätze für die Social Media-Nutzung

Die Lösungsansätze beziehen sich zunächst auf den Umgang der Behörden mit ihrer eigenen Social Media-Präsenz: Mit Blick auf die Erwartungen der Bevölkerung müssen Statusmeldungen und Aktualisierungen zeitnah erfolgen. Gelingt dies, lassen sich emotionale Strapazen, negative Reaktionen, Missverständnisse und unvorhersehbares Verhalten zumindest begrenzen. Um die Echtheit von Informationen in sozialen Netzwerken zu prüfen, gibt es darüber hinaus verschiedene technische Lösungen.

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Unterschiedliche Systeme bieten die Möglichkeit, Daten aus sozialen Medien zu aggregieren.

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Systeme zur Analyse sozialer Medien

Tritt eine Notlage oder Krisensituation ein, werden verstärkt Informationen produziert ausgetauscht; es kommt zu Intensitätsspitzen in der Nutzung sozialer Medien. Unterschiedliche Systeme bieten anhand algorithmischer Analysefunktionen die Möglichkeit, Daten aus sozialen Medien zu aggregieren. Dabei geht es beispielsweise um die Wissensgenerierung über wichtige Einflussnehmer, um das gegenwärtig vorherrschende Stimmungsbild (Sentiment) anhand von Tonalitätsanalysen oder um die Identifikation der thematischen Strukturen der gegenwärtigen Interaktionen durch Algorithmen der Themenerkennung (Topic Detection), um die Lage einschätzen und darauf reagieren zu können. Dies erlaubt ein Monitoring sozialer Medien zur Anreicherung, Präzisierung, Korrektur oder auch eigenen Nutzung kursierender Informationen, zumal das Monitoring verschiedener Applikationen automatisch Hinweise auslöst, wenn bestimmte Ereignisse erkannt oder Schwellenwerte von Kennzahlen überschritten wurden.

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