Unfall Versicherung Verkehr Smartphone Fotografieren Close up hand holding smartphone and take photo at The scene of a car crash and accident, car accident for car insuranc claim
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SERIE: Digitalisierung der Polizeiarbeit

Digitalisierte Streifenwagen und vernetzte Polizisten

Mobile Policing: Vollvernetzt auf der Straße statt im Büro

Will die Polizei präsent und – im Sinne von Prävention – sichtbar sein, will sie also dort sein, wo sie gebraucht wird, müssen Polizisten raus auf die Straße. Wenn diese aber selbst nach jeder Unfallaufnahme erst zurück in die Dienststelle fahren und die Unfalldaten eingeben müssen, geht unnötig Zeit verloren. Die moderne Lösung lautet „Mobile Policing“ – und muss zahlreichen Anforderungen gerecht werden.

Schon lange sind etwa Tablets zur abschließenden mobilen Schadensaufnahme, eine fotografische Dokumentation von Ordnungswidrigkeiten und KFZ-Kennzeichen, Texterkennung (OCR) zur Halterabfrage, mobile Ausstellung von Strafzetteln, hochaufgelöste Fotos statt Fingerabdruckscans, mobiler Abgleich von Fingerabdrücken, automatische Gesichtserkennung samt Datenbankabfrage, automatische Erkennung von Nummernschildern oder mobile Technologien zur abhörsicheren Vor-Ort-Kommunikation bis hin zur Vernetzung mit sozialen Medien technisch möglich – und teils in Deutschland, teils in anderen Ländern im Einsatz.

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Grundlage mobiler Polizeiarbeit ist die Vernetzung mit der Zentrale.

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Hierzulande schreitet diese Entwicklung jedoch – teilweise wegen der Wahrung des Datenschutzes, teilweise wegen fehlender Lösungen, die den hiesigen Sicherheitsanforderungen gerecht werden, teilweise wegen deren fehlender Finanzierung – vergleichsweise langsamer voran. Aktuelle Entwicklungen, etwa in Bayern, Niedersachsen, Hessen und Bremen, zeigen die derzeitigen Trends.

Vernetzung und Datenzugriff

Grundlage mobiler Polizeiarbeit ist die Vernetzung mit der Zentrale, insbesondere der Zugriff auf die polizeilichen Datenbanken. Dies ermöglicht es jedoch nicht nur, Daten direkt am Ort des Geschehens statt auf der Dienststelle einzugeben.

App Polizei Bayern
Die Polizei Bayern pilotiert aktuell eine Applikation zur Personenabfrage.
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Sondern damit ist in zunehmendem Maße auch die Möglichkeit verbunden, ortsunabhängig auf vernetzte Datenquellen zuzugreifen, Spuren in Echtzeit auszuwerten und die Ergebnisse gleich für die Fallbearbeitung am Ort des Geschehens zu nutzen, um noch im Einsatz die nötigen Informationen zu erhalten, vor potentiellen Gefahren gewarnt zu sein und für die Aufklärung wichtige Hinweise, Beweismittel und Zeugenaussagen schnell und unbürokratisch zu erfassen und weiterzuleiten.

So wird beispielsweise in Bayern gerade eine neue App für die Personenabfrage über das Smartphone eingeführt, mit der mobil Ausweisdokumente erfasst und alle relevanten polizeilichen Datenbanken genutzt werden können. Dadurch erfährt die Streife direkt am Einsatzort, wenn eine Person zur Fahndung ausgeschrieben ist, oder sie erhält eine Warnmeldung, wenn die erfassten Dokumente Hinweise auf eine Fälschung geben.

Polizei Bremen
Die Bremer Polizei arbeitet gemeinsam mit Dataport an einer mobilen Erweiterung des Vorgangsbearbeitungssystems "@rtus", u.a. mit einer Scan- und Fotofunktion für die Dokumentation vor Ort.
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Die Polizei Bremen ist Teil der Kooperation zur Weiterentwicklung des Vorgangsbearbeitungssystems (VBS) „@rtus“, das vom öffentlich-rechtlichen ITK-Dienstleister Dataport entwickelt wird. Der Funktionsumfang reicht von der Vor-Ort-Erfassung relevanter Daten für die Berichterstattung über Scan- und Fotofunktionen bis hin zu Abfragemöglichkeiten der Desktop-Version von @rtus, so dass Fahndungsinformationen vor Ort unmittelbar verfügbar werden.

Perspektivisch bieten vernetzte Endgeräte noch viel weitergehende Möglichkeiten, etwa die Bereitstellung von Tatort-Informationen wie geographischen Kriminalitätsprofilen oder aktuellen Standorten weiterer Einheiten schon vor der Ankunft, die Zusammenführung von Audio-, Video-, Bild- und Textdaten, die Verbindung zu Anwendungen, die Ähnlichkeiten mit offenen Vorgängen abgleichen, oder zu Prognosesoftware – und den vollständigen Austausch mit den Polizisten vor Ort.

Mobile Endgeräte

Längst werden etwa Notebooks für Dateneingaben oder geeignete Geräte für andere Funktionen genutzt. Für eine weitergehende mobile Nutzung ist einsatztaugliche Hard- und Software erforderlich – im Optimalfall würden maßgeschneiderte Funktionen in einem handlichen, multifunktionalen Gerät gebündelt.

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Seit Anfang 2019 sind rund 5.000 Smartphones, 3.500 Notebooks und 1.200 Convertibles im Einsatz.

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Im Rahmen des Konzeptes „Mobile Police“ setzt Bayern zunehmend auf speziell entwickelte Smartphones, auf sogenannte Convertibles (Tablets mit abnehmbarer Tastatur) sowie auf mobile Fingerabdruck-Scanner. Zunächst sollen die 5.000 bayerischen Einsatzfahrzeuge mit Smartphones und Convertibles ausgestattet werden, bevor perspektivisch jeder bayerische Polizist ein eigenes dienstliches Smartphone erhält. Seit Anfang 2019 sind dazu rund 5.000 Smartphones, 3.500 Notebooks und 1.200 Convertibles im Einsatz.

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Die digitalisierten Streifenwagen werden mit mobilen Fingerabdruck-Scannern ausgerüstet.

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Zudem werden die digitalisierten Streifenwagen mit mobilen Fingerabdruck-Scannern ausgerüstet. Dies ermöglicht in Verbindung mit einem Datenabgleich mit dem Automatisierten Fingerabdruckidentifizierungssystem (AFIS) eine mobile Identifizierung aller dort gespeicherten Personen, auch mit Blick auf das Elektronische Reiseinformations- und -genehmigungssystem (ETIAS) der EU.

Schließlich sollen die Convertibles mit einer integrierten Auslese- und Kontrollsoftware die Polizei auch in die Lage versetzen, vor Ort die Kontrollgeräte von LKWs auszulesen und auf diese Weise die Lenk- und Ruhezeiten sowie die gefahrene Geschwindigkeit im gewerblichen Personen- und Schwerlastverkehr zu kontrollieren.

Zielsetzung

Mit dem Digitalfunk als primärem Kommunikationsmittel, dem mobilen Arbeitsplatz auf Notebooks und Convertibles, dem Smartphone und der Einbindung all dieser Geräte in die Einsatzfahrzeuge sind dem bayerischen Innenministerium zufolge alle Facetten des polizeilichen Einsatzalltags abgedeckt. Damit ist die Zielsetzung verbunden, den Polizisten Unterstützung insbesondere bei der Fahndung nach Kriminellen, der Suche nach Vermissten, dem Auffinden von Diebesgut und der Gefahrenabwehr zu geben.

Sicherheitsaspekte

Zu den Herausforderungen mobiler Polizeiarbeit gehören die Abhörsicherheit der polizeilichen Kommunikation und die gleichzeitige Wahrung des Datenschutzes. In Bayern laufen die polizeilichen Apps in eigenen, abgeschirmten Bereichen. Eine eigene Datenhaltung findet auf den mobilen Geräten grundsätzlich nicht statt; lediglich wenn kein Mobilfunkempfang besteht, werden Daten besonders geschützt zwischengespeichert. Zudem erfolgt die Datenhaltung und -übermittlung verschlüsselt – dieser Mehrfachschutz soll eine unrechtmäßige Nutzung im Betrieb verhindern und eine biometrische Erkennung soll die Geräte vor unbefugtem Zugriff schützen.

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