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SERIE: Gewalt an Personen mit öffentlichen Aufgaben

79.164 Polizeivollzugsbeamte wurden Opfer von 38.109 Gewalttaten

Gewalt gegen Personen mit öffentlichen Aufgaben

THW-Einsatzkräfte, Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, Notärzte, Lehrer, Bademeister, Busfahrer, Schaffner, Mitarbeiter von Ordnungsämtern und Jobcentern, Gerichtsvollzieher, Zollbeamte und ganz besonders Polizisten: Personen mit öffentlichen Aufgaben werden immer öfter nicht nur respektlos behandelt und in ihrer Arbeit behindert, sondern auch zum Ziel von Widerstand und Gewalt. – Teil 1 des Beitrages hinterfragt: Wie haben sich die Fallzahlen entwickelt? Wo ist das Risiko am größten? Und von welchen Merkmalen sind Tatverdächtige und Opfer geprägt?

Teil 1: Bundeslagebild Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte 2018

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Die Fälle von „Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf die Staatsgewalt“ sind gegenüber dem Vorjahr um 39,9 % angestiegen.

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Entwicklung der Fallzahlen

Das Bundeskriminalamt (BKA) weist im „Bundes­lage­bild Ge­walt ge­gen Po­li­zei­voll­zugs­be­am­tin­nen und Po­li­zei­voll­zugs­be­am­te 2018“ darauf hin, dass die Fälle von „Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf die Staatsgewalt“ gegenüber dem Vorjahr um 39,9 % angestiegen sind (2017: 24.419 Fälle, 2018: 34.168 Fälle). Die Fälle von Landfriedensbruch sind um 47,8 % angestiegen, was sich mit den beim G20-Gipfel 2017 begangenen Straftaten erklärt, die zeitverzögert in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) eingeflossen sind.

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Die prozentualen Fallanteile bei Großstädten ab 500.000 Einwohnern sind überrepräsentiert.

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Regionale Verteilung

Bei beiden Delikten sind die prozentualen Fallanteile bei Großstädten ab 500.000 Einwohnern überrepräsentiert. Im Bundesländervergleich fällt auf, dass 32,0 % aller Fälle von „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen“ in Nordrhein-Westfalen stattfinden. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist der Belastungswert im Stadtstaat Berlin mit 62,4 Fällen pro 100.000 Einwohner am höchsten. Im Vergleich der Gebietskörperschaften liegt die Häufigkeitszahl mit 80,3 Fällen in der kreisfreien Stadt Erfurt am höchsten und mit 0,6 Fällen im Landkreis Würzburg am niedrigsten.

Da das Delikt „Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen“ 2018 erstmals in dieser Form erfasst wurde und die Auswertung der Fälle von Landfriedensbruch durch die einmaligen Fallzahlen des G20-Gipfels in ihrer Aussagekraft massiv verfälscht wird, ist diesbezüglich eine weitere Betrachtung entbehrlich.

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Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen bei „Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen“ ist mit 31,8 % überrepräsentiert.

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Herkunft der Tatverdächtigen

Der Anteil der deutschen Tatverdächtigen bei „Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf die Staatsgewalt“ liegt bei 68,5 %, der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen bei 31,5 %; davon halten sich 95,7 % mit Erlaubnis in Deutschland auf, die sich in 25,2 % Asylbewerber, 3,9 % Schutz-/Asylberechtigte und Kontingentflüchtlinge, 7,0 % Geduldete und 59,6 % mit sonstigem erlaubten Aufenthalt aufteilen. Nach ihrer Staatsangehörigkeit untergliedern sie sich in 10,2 % Polen, 9,4 % Türken, 6,2 % Syrer, 5,8 % Afghanen, 3,9 % Rumänen, 3,3 % Nigerianer, 3,3 % Marokkaner und 2,5 % Algerier. Der höchste Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger besteht in Berlin und beträgt 41,3 %.

Noch mehr als bei „Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf die Staatsgewalt“ ist der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen beispielsweise bei „Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen“ mit 31,8 % überrepräsentiert, darunter bei „Widerstand“ mit 31,6 % und bei „tätlicher Angriff“ mit 32,2 %.

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53,4 % standen „unter Alkoholeinfluss“.

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Merkmale Tatverdächtiger

Von den wegen „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen“ Tatverdächtigten waren der Polizei 10,3 % als „Konsument harter Drogen“ bekannt, 53,4 % standen „unter Alkoholeinfluss“. 0,4 % führten eine Schusswaffe mit sich. Der Anteil weiblicher Personen liegt in allen drei Kategorien deutlich unter jenem der Männer. Der Anteil der Mehrfachtatverdächtigen liegt bei Erwachsenen bei 5,7 %, in der Altersklasse der Heranwachsenden bei 7,3 %, bei Jugendlichen bei 7,0 % und bei Kindern bei 7,6 %.

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73,4 % der Tatverdächtigen waren bereits zuvor polizeilich in Erscheinung getreten.

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Gewalttaten gegen Polizeivollzugsbeamte

Gewalttaten gegen Polizeivollzugsbeamte sind mehrheitlich geprägt von „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen“ (§§ 113, 115 StGB) und „Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen“ (§§ 114, 115 StGB).

92,4 % der Tatverdächtigen bei Gewalttaten mit Polizeivollzugsbeamten als Opfer waren alleinhandelnd. 73,4 % waren bereits zuvor polizeilich in Erscheinung getreten.

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Männliche Polizeivollzugsbeamte wurden mehr als viermal so oft Opfer wie weibliche.

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Opfermerkmale

Insgesamt wurden 79.164 Polizeivollzugsbeamte Opfer von 38.109 Gewalttaten, in der Hauptsache durch Widerstand und tätlichen Angriff sowie – in geringerem Umfang – durch Körperverletzung und Bedrohung. Männliche Polizeivollzugsbeamte wurden mehr als viermal so oft Opfer wie weibliche, am meisten ist die Altersgruppe 25 < 35 Jahre betroffen. Die Aussagekraft dieser Zahlen würde sich erhöhen, wenn sie in Relation zu den Zahlen der tatsächlich im Einsatz befindlichen Einsatzkräfte gesetzt werden könnte.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Tatverdächtigen bei Gewalttaten gegen Polizeivollzugsbeamte statistisch gesehen mehrheitlich

  • in Tatortgemeinden ab 500.000 Einwohner auffällig sind,
  • männlich (85,9 %), deutsch (68,9 %) und über 25 Jahre alt (66,3 %) sind,
  • alleine handeln (92,4 %),
  • polizeilich bereits in Erscheinung getreten waren (73,4 %),
  • sowie unter Alkoholeinfluss stehen (55,3 %).

Demgegenüber sind die Opfer statistisch gesehen mehrheitlich

  • männlich (81,4 %) und
  • zwischen 25-35 Jahre alt (46,3 %).
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