Bus

Digitaler Mobilitätsdienst

als kommunale Daseinsfürsorge für im Amt Hüttener Berge

Die Digitalisierungsaktivitäten des Amtes Hüttener Berge sind von der Grundüberzeugung getragen, dass Angebote der digital unterstützten Daseinsvorsorge die Attraktivität unserer Kommunen weitaus stärker prägen werden als die Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen nach Maßgabe des Online-Zugangsgesetzes (OZG).Auch vor dem Hintergrund der Entwicklung zur Digitalen Region entsteht durch den Mobilitätsdienst ein digitales Angebot, das neben den Online-Verwaltungsdienstleistungen, dem „Pflichtprogramm“ jeder Kommune, auch die Daseinsvorsorge berücksichtigt. Erst durch die Integration von Online-Services der Verwaltung und smarten Angeboten der Daseinsvorsorge auf der Basis eines modernen Bürgerportals, so unsere Überzeugung, entsteht sukzessive die digitale Kommune von morgen.

Andreas Betz

Bereits jetzt ist die Bereitschaft – um nicht zu sagen die Erwartung – jüngerer wie zunehmend auch älterer Menschen stark ausgeprägt, ein breites Spektrum digitaler Angebote ihrer Kommune für unterschiedliche Bedarfslagen und Bevölkerungsgruppen zu nutzen bzw. nutzen zu können. Daher ist für das Amt Hüttener Berge die Einbeziehung der digitalisierungswürdigen Aufgaben der Daseinsvorsorge in die Digitalisierungsstrategie des Amtes eine Selbstverständlichkeit.

Zielstellung und Konzepte

Die Mobilität der Einwohner*innen ländlicher Gebiete ist gegenüber städtischen Ballungsräumen deutlich eingeschränkt. ÖPNV-Verbindungen stehen zumeist nur örtlich und zeitlich begrenzt zur Verfügung. Taxifahrten sind häufig lang und damit teuer und Car-Sharing-Angebote kaum verfügbar. Während in städtischen Räumen auf private Kfz zunehmend verzichtet wird, herrschen in den Hüttener Bergen (ländlichen Gemeinden) weiterhin Familien mit Zweitfahrzeugen vor – eine für die Betroffenen kostspielige und überdies klimaschädliche Situation.

Im Mittelpunkt des Konzeptes unseres Digitalen Mobilitätsdienstes steht die Bündelung und digitale Unterstützung der bereits verfügbaren Mobilitätsoptionen (Dörpsmobil, Bürger-/Anrufbus, Mitfahrbank und ÖPNV) mit den neuen Möglichkeiten einer privaten Mitfahrtbörse.

Es überrascht daher nicht, dass die Entwicklung eines Mobilitätsangebotes, das verschiedene Mobilitätsoptionen in einem Digitalen Mobilitätsservice zusammenfasst, von den lokalen Akteuren des ländlich geprägten Amtes Hüttener Berge übereinstimmend hoch priorisiert wurde.

Im Mittelpunkt des Konzeptes unseres Digitalen Mobilitätsdienstes steht die Bündelung und digitale Unterstützung der bereits verfügbaren Mobilitätsoptionen (Dörpsmobil, Bürger-/Anrufbus, Mitfahrbank und ÖPNV) mit den neuen Möglichkeiten einer privaten Mitfahrtbörse.

Ein wichtiger Nebennutzen des Digitalen Mobilitätsdienstes besteht darin, den bislang hohen ehrenamtlichen Zeitaufwand insbesondere für die Buchung und Bezahlung von Dörpsmobil und Bürger-/Anrufbus durch Online-Self-Services einschließlich eBezahlung signifikant zu verringern. Auch dies ist ein wichtiges Ziel unserer Digitalisierungsaktivitäten (etwa auch im Zusammenhang des Angebots „Hütti feiert“), denn das wertvolle Engagement unseres Ehrenamtes wird viel zu häufig durch Aufgaben belastet, die im Zeichen des digitalen Wandels auch online abgewickelt werden können.

Ein Jahr „Hüttis Digitale Werkstatt“

Teil 1: Was wurde bislang erreicht?

Beteiligungskonzept und agiles Projektvorgehen

Kommunale Digitalisierung kann nur gelingen, wenn sie die konkreten lokalen Bedarfslagen berücksichtigt und als gemeinsames Anliegen aller Bürgerinnen und Bürger wahrgenommen und vorangetrieben wird.

So wurde zu Projektbeginn eine Fokusgruppe Mobilität gebildet, in deren Rahmen ausgewählte regionale Akteure mit Bezug zu den aktuellen Beförderungsangeboten im Amt Hüttener Berge aktiv mitgewirkt haben, um ein im Ergebnis bedarfsgerechtes und überzeugendes digitales Angebot zu entwickeln. Die Fokusgruppe Mobilität hat sich in der Zeit von November 2018 bis Oktober 2019 unter Leitung des Produktverantwortlichen der HÖHN CONSULTING in regelmäßigen Abständen in der Amtsverwaltung getroffen.

Einen wichtigen Erfolgsfaktor unserer Digitalen Werkstatt bildet neben den projektbegleitenden Fokusgruppen die Einbindung weiterer Interessenvertreter*innen, wie das nachstehende Schaubild verdeutlicht:

Beteiligungskonzept
© HÖHN CONSULTING

Zu diesen weiteren Beteiligungsformaten zählen zum einen Bürgerforen, zu denen alle interessierten Einwohner*innen eingeladen werden, um ihrerseits Anforderungen und Erwartungen an unsere Digitalisierungsplanung zu formulieren. 
Daneben legt die Amtsverwaltung sehr großen Wert auf die regelmäßige Information der lokalen Politik über den Stand unserer Digitalisierungsaktivitäten. Von ebenso großer Bedeutung sind für uns die Feedbackgruppen, die die Arbeit der Fokusgruppe um zusätzliche fachliche Aspekte oder um spezifische Anforderungen aus Sicht weiterer Kommunen oder überregional wirkender Fachexpert*innen ergänzt. Auf diese Weise übernimmt etwa die Feedbackgruppe Digitaler Mobilitätsdienst eine zentrale Funktion, um dem Anspruch einer möglichst breiten Nachnutzbarkeit des im Amt Hüttener Berge entwickelten und pilotierten Digitalen Mobilitätsdienstes gerecht zu werden.

Dieser Produktverantwortliche THOMAS HÖHN CONSULTING ist für den Digitalen Mobilitätsdienst  neben der Koordination der verschiedenen Beteiligungsformate auch für das „agile Projektmanagement“ der Konzeption und Umsetzung dieses Angebots auf der Basis der SCRUM-Methodik zuständig.

Den Ausgangspunkt von SCRUM bildet die Erfahrungstatsache, dass viele Projektaufgaben zu komplex sind, um sie zu Projektbeginn vollumfänglich und unverrückbar zu beschreiben. Selbst diejenigen, die später mit dem Projektergebnis arbeiten sollen, haben zu Beginn eines Projektes oftmals nur schemenhafte Vorstellungen von der Problemlösung, die ihnen wirklich hilft.

SCRUM zieht hieraus die Konsequenz, dass sowohl die Anforderungsdefinition als auch deren Umsetzung in iterativ aufeinander folgenden (kurzläufigen) Etappen erfolgen. So hat sich die Fokusgruppe Mobilität im Projektverlauf regelmäßig mit dem Projektverantwortlichen ausgetauscht, um schrittweise Anforderungen an die entstehende digitale Lösung abzustimmen und deren Umsetzung zu begutachten

Funktionalität des Mobilitätsservices

Im inzwischen fertiggestellten Digitalen Mobilitätsdienst des Amtes Hüttener Berge werden gemeindeeigene Car-Sharing-Angebote, der amtseigene Bürgerbus (Rufbus), kostenlose private Mitfahrten sowie Mitfahrbänke und ÖPNV-Verbindungen zu einem Gesamtangebot gebündelt.

Nachstehendes Schaubild stellt die Struktur des Mobilitätsdienstes dar:

Mobilität
© HÖHN CONSULTING

Als digitales Angebot des Bürgerportals können verschiedene Beförderungsoptionen bedarfsbezogen gesichtet, verglichen, gebucht und – soweit kostenpflichtig – online bezahlt werden. Die erforderlichen Sicherheitsmechanismen bietet das Mobilitätsportal auf der Basis der von Dataport bereitgestellten OSI-Basiskomponenten, die einen missbräuchlichen Zugriff auf die Angebote des Bürgerportals im Rahmen des technisch Möglichen verhindern

Ein Jahr „Hüttis Digitale Werkstatt“

Teil 2: Was ist aktuell geplant?

Das Mobilitätsangebot ist seit Oktober 2019 online erreichbar und befindet sich seitdem in einem erweiterten Praxistest. Aktuell sind zwei Dörpsmobile (Carsharing im Gemeindeeigentum), eine Bürgerbusroute (Anrufbus), alle schleswig-holsteinischen ÖPNV-Verbindungen, verschiedene Mitfahrbänke im Amtsgebiet und eine Börse zur Vermittlung privater Mitfahrgelegenheiten integriert.

Dörpsmobil
© Screenshot der Buchungsseite des gemeindlichen Dörpsmobils

Eine Nutzung des Digitalen Mobilitätsservices zur Information über ÖPNV-Verbindungen oder Bürger-/Anrufbusoptionen ist auch ohne Benutzerlogin möglich. Um den Digitalen Mobilitätsservice jedoch mit allen verfügbaren Funktionen nutzen zu können, ist es erforderlich, sich als Nutzer zu registrieren. Zurzeit noch als eigenständige Funktionalität realisiert, wird das Benutzerlogin demnächst über das Bürgerportal erfolgen können, das auf der Basis der von Dataport bereitgestellten OSI-Komponenten eine sichere Benutzerauthentifizierung sowie Funktionen für die elektronische Bezahlung und ein Online-Postfach für jede/n Benutzer*in bereitstellen wird.

Mitfahrt
© Screenshot der Buchungsseite der privaten Mitfahrt

Gerade die private Mitfahrt wird unseres Erachtens durch das digitales Mobilitätsangebot weiter forciert. Hierbei kann der Nutzende benötigte Mitfahrten suchen oder anbieten. Die Nachvollziehbarkeit der Identität aller Akteure der privaten Mitfahrt durch die Benutzerauthentifizierung gewährleistet dabei einen hohen Sicherheitsstandard.

Sofern es gelingt, durch die digitale Unterstützung privater Mitfahrten in unserer Region einen Bewusstseinswandel zu erreichen, der die hohe Zahl klimaschädlicher Einzelfahrten im privaten PKW zugunsten gemeinsamer Fahrten verringert, ist dies nicht nur ein konkreter Beitrag zum Schutz unserer Umwelt, sondern ebenso von Vorteil für die soziale Vernetzung in unserem Amtsbereich.

Online-Zugang zum Digitalen Mobilitätsdienst

Eine umfangreiche Nutzungsanleitung steht allen Interessierten auf der Internetseite im Bereich des Mobilitätsdienstes zur Verfügung. Unseren Digitalen Mobilitätsdienst 1.0 finden Sie unter:

Bis zur vollständigen Integration des Mobilitätsdienstes in das Bürgerportal des Amtes ist eine eigene Registrierung für Dörpsmobil (Dörpsmobil buchbar nur für Sehestedt Bürger / Dörpsmobil Ascheffel buchbar nur für Vereinsmitglieder), Rufbus (anmelden und bezahlen) oder die Benutzung der privaten Mitfahrt erforderlich. Ab Mitte des Jahres 2020 erfolgt der Einstig über das Bürgerportal des Amtes Hüttener Berge.

Hinweisen möchten wir auch auf die Kurzdokumentation unseres Projektes durch die Bertelsmann Stiftung, erreichbar auf unserer Homepage im oben genannten Mobilitätsportal oder unter YouTube #digitale Orte - Amt Hüttener Berge: Die Digitalisierung des Trampens.

Fazit und Ausblick

In kaum 12 Monaten entstand in agiler Vorgehensweise ein Digitaler Mobilitätsdienst, der die verschiedenen Beförderungsmöglichkeiten in einer Anwendung nutzerfreundlich bündelt. Dadurch konnte der bisherige Zeitaufwand für das Ehrenamt deutlich verringert werden.

Das neue digitale Angebot unterstützt wirksam die bereits im Amtsbereich verfügbaren Mobilitätsoptionen und ergänzt diese um eine digitale Mitfahrbörse. Es leistet damit einen konkreten Beitrag zur Verbesserung der regionalen Klimabilanz. Speziell mit diesem Effekt konnte sich bereits die Ideenskizze den ersten Platz bei der Energieolympiade 2019 sichern, die unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Daniel Günther von der gemeinnützigen Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH (EKSH) durchgeführt wurde.

Durch die Kombination aller Beförderungsmöglichkeiten können Fahrzeiten und Umstiege minimiert und durch die Bündelung und Reduzierung von Fahrten die CO2-Emissionen reduziert werden. So können auch ohne umweltschädlichen Individualverkehr die vorhandenen Mobilitätsbedarfe gedeckt werden.

Entwicklungsziele für die Version 2.0 des Digitalen Mobilitätsdienstes

Nach unserer Auffassung sollten einer Weiterentwicklung der jetzigen Version 1.0 des Digitalen Mobilitätsdienstes folgende Ziele gesetzt werden:

  • Live-Routen und automatisierte Routenplanung

  • Erweiterung auf Vereinsbusse

  • Pkw des Amtes / der Behörden – wenn gewollt

  • eBikes und eLastenfahrräder

  • Kombination mit Warentransport / Lieferdienste

  • Anbindung bestehender Portale (Parkplatzsuche, Park&Ride)

  • Einbindung der „Sprotten-Flotte“ der Kiel Region

  • Integration Fahrzeugdaten

  • Benefits für Mobilitätsvermeidung sowie Anreizsysteme für Klimaschutz

  • Einbindung regionaler Veranstaltungen

  • u.v.m.

Nachnutzung des Digitalen Mobilitätsdienstes: Konzept

Bereits jetzt gibt es verschiedene Kommunen, die an einer Nachnutzung des Mobilitätsdienstes Interesse bekundet haben. Dabei sind auch funktionale Erweiterungen im Gespräch und mitunter auch unabdingbar, die den Nutzwert der Lösung weiter steigern werden. Erster weiterer Nutzer wird die Entwicklungsagentur für den Lebens- und Wirtschaftsraum Rendsburg sein. Auch die AktivRegion Eckernförder Bucht ist an einer Nutzung interessiert.

Derzeit ist das Hosting des Mobilitätsdienstes beim Internetdienstleister des Amtes verortet. Perspektivisch soll diese Aufgabe – wie im Falle des Bürgerportals bereits geschehen – auf Dataport übergehen. Die Abstimmungen hierzu laufen bereits und sind aussichtsreich.

Die Einbindung der Nutzung der privaten Mitfahrt über eine Integration in die Internetseiten unterschiedlicher Kommunen, Vereine etc. wird gerade durch unsere beauftragte Datenschutzkanzlei (Datenschutzbeauftragter) geprüft; eine entsprechende Datenschutzerklärung ist in Vorbereitung.

Die Idee der Nachnutzung und der Weiterentwicklung im Rahmen von interkommunaler Zusammenarbeit mit der Zielvorstellung einer Übernahme durch den IT-Verbund Schleswig-Holstein (ITVSH) in 2023 wäre ein konsequenter Schritt. Denn wichtig ist, dass nicht jede Kommune das Rad neu erfinden muss und die kommunale Familie den digitalen Wandel durch interkommunale Arbeitsteilung gestaltet.

Nachnutzung des Digitalen Mobilitätsdienstes: Konditionen

Für die Integration in eine kommunale Webseite sind einige individuelle Rahmenbedingungen aufzunehmen und abzustimmen. Den Digitalen Mobilitätsdienst als solchen stellt das Amt kostenlos zur Verfügung.

Aufgrund des knappen Budgetrahmens wurde das System auf der Grundlage verschiedener im Amt bereits verfügbarer lizenzpflichtiger „Bausteine“ entwickelt. Für die Einrichtung der nötigen Basislizenzen (Web GIS Module auch für weitere Regionalkarten der NetzWerkstatt nutzbar), die Kosten für die Anpassung des Mobilitätsdienstes an die kommunale Webseite und die initiale Anforderungsaufnahme fallen einmalige Kosten von rd. 10.000 Euro brutto sowie monatlich rd. 238 Euro brutto an.

Für die gemeinsame Weiterentwicklung des Mobilitätsdienstes durch alle nutzenden Kommunen wir zurzeit ein Organisations- und Kostenmodell erarbeitet, dessen Grundpfeiler sich wie folgt darstellen:

© HÖHN CONSULTING

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