WirvsVirus

#WirvsVirus – ein Hackathon gegen die Auswirkungen von Corona

Neue Projekte und Impulse für den öffentlichen Sektor

Unter der Fragestellung „Wie können wir als Gesellschaft die Herausforderungen, die im Zuge der Corona-Krise entstehen, mit neuen Lösungen gemeinsam meistern?“ haben sich sieben soziale Initiatoren mit der Bundesregierung zusammengeschlossen. Die Kooperationspartner haben am 20. bis 22. März den Hackathon #WirvsVirus veranstaltet. Die insgesamt 28.000 Teilnehmenden haben 1.500 Projekte eingereicht. Die Projekte wurden von 600 Expertinnen und Experten bewertet und auf Umsetzbarkeit geprüft. Etwa 150 Projekte werden weiterverfolgt, darunter einige Anwendungen für die öffentliche Hand.
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Tech4Germany, Code for Germany, Impact Hub Berlin, ProjectTogether, SEND e.V., Initiative D21 und Prototype Fund haben unter Schirmherrschaft von Bundesminister Prof. Dr. Helge Braun,  den Hackathon #WirvsVirus veranstaltet. Die Teilnehmenden  kamen aus Verwaltung, Wirtschaftsverbänden, Start-Ups und Zivilgesellschaft.

Ein wegweisendes Projekt

Die Veranstaltung wurde über den Messenger-Dienst Slack organisiert und vollständig digital abgehalten. In den drei Tagen sind beinahe 1.500 Einreichungen entstanden, die gesammelt in einer Youtube-Playlist zusammengestellt wurden:

Die Projekte wurden durch ein Auswahlgremium bestehend aus 600 Expertinnen und Experten ausgewertet. Die Bewertenden wurden dabei kompetenzbasiert mit den Projekten gematcht.

Die Qualität der Projekte wurde an fünf Bewertungskriterien gemessen: Gesellschaftlicher Mehrwert, Innovationsgrad, Umsetzbarkeit und Skalierbarkeit, Fortschritt sowie Verständlichkeit. Jedes Projekt wurde von mindestens fünf Expertinnen und Experten begutachtet.

Exkurs: Hackathon

Hack + Marathon = Hackathon

Ein Hackathon ist ein Event, bei dem gemeinsam an Softwarelösungen gearbeitet wird. Teilnehmende aus der Tech-Community, aber auch oft interdisziplinäre Teams, entwickeln in kürzester Zeit Anwendungen für das Gemeinwohl.

 

Insgesamt 150 Projekte wurden ausgewählt und an eine Jury übermittelt. In einer Online-Pressekonferenz am 30. März hebt Staatsministerin Dorothee Bär den Hackathon als wegweisendes Projekt hervor. Die Organisation, der Ablauf, das Engagement seien Vorbild für zukünftige Projekte. Man solle die Community und die Wege, die man mit dem Projekt erschlossen hat, nutzen, um einen virtuellen Inkubator für gesellschaftliche Probleme zu schaffen. Die Hackathon-Teilnehmenden sollen weiterhin durch die Kooperationspartner betreut werden. Der genutzte Slack-Kanal wird aufrechterhalten und für weitere Projektabsprachen zur Verfügung gestellt.

Siegerprojekte für den Public Sector

Am 30. März wurden 20 Siegerprojekte bekanntgegeben. Die Projekte wurden in sechs Themencluster eingeteilt:

  • Gesundheit – medizinische Versorgung

  • Gesundheit – Diagnose und Verbreitung

  • Ernährung und Versorgung

  • Verwaltung, Information und Daten

  • Wirtschaft, Arbeit und Bildung

  • Fürsorge

Für das Themengebiet Verwaltung, Information und Daten waren u.a. Peter Batt, Abteilungsleiter im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Annette Klein, Generalkonsulin im Auswärtigen Amt und Benjamin Mikfeld, Abteilungsleiter im Bundesministerium der Finanzen, Mitglieder der Jury.

IDA - Die Informationsplattform für Deutsche im Ausland

Die Idee für IDA ist eine mobile Informationsplattform für Deutsche, die im Ausland leben und arbeiten, zu schaffen. Das Ziel der Anwendung ist es, die Kommunikation zwischen Auslandsvertretungen und den Betroffenen zu verbessern. So sollen einerseits die Konsulate entlastet werden, andererseits Deutschen mit Lebensmittelpunkt im Ausland ausreichend Informationen an die Hand gegeben werden.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

DEalog - nutzerfreundliche Gestaltung der staatlichen Krisenkommunikation

DEalog soll in die Warnapp „Nina“, die von Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entwickelt wurde und bereits fünf Millionen User hat, eingebunden werden. Die Idee ist eine kommunikative Begleitung der Bevölkerung in Krisenzeiten.

Das beinhaltet sowohl geospezifische Warnmeldungen als auch einen individualisierten Newsfeed. In letzterem sollen Behördeninformationen von Bund, Ländern und Kommunen eingespeist werden. Kommunalvertretungen können über die Applikation Bürgerinnen und Bürger wichtige Informationen zukommen lassen. Im Feed sollen ausschließlich Informationen aus verlässlichen Quellen eingebunden werden. Durch die selektive Informationsauswahl werden Desinformationen unterbunden.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

U.D.O - Digitaler Antrag auf Kurzarbeitergeld

Durch Corona geraten viele Unternehmen ins Wanken und versetzen aufgrund der niedrigen Auftragslage Mitarbeitende in Kurzarbeit. Der Antrag auf Kurzarbeitergeld war bisher recht kompliziert. Das Assistenzsystem U.D.O unterstützt Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Antragstellung. In der Anwendungen werden sämtliche relevante Informationen zum Thema Kurzarbeit zur Verfügung gestellt. In einem Chatbot werden dem Antragsteller einfach verständliche Fragen gestellt. So kann der Antrag in einer Gesprächsform ausgefüllt werden.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Für die Anwendung ist bereits ein Prototyp online: https://kurzarbeit-einfach.de/

Screenshot https://kurzarbeit-einfach.de/

Umsetzung der Projekte

Nicht nur die Siegerprojekte - auch die Arbeit von 100 bis 150 Teams soll weitergeführt werden. Es sollen schnell und nachhaltig validierte Lösungen umgesetzt werden. Dafür haben die Kooperationspartner das „Solution Enabler“-Programm entwickelt. In 15 Handlungsfeldern werden mehrere Teams parallel an Lösungen arbeiten. Nach „Trial and Error“-Prinzip sollen die verfolgten Ansätze kontinuierlich getestet und verbessert werden, damit die Lösungen schnell in die Fläche gebracht werden können. Auch Projektteams, die nicht am Hackathon mitgearbeitet haben, sind dazu aufgerufen, sich für das Solution Enabler-Programm zu bewerben. Die 20 Siegerprojekte erhalten direkten Zugang zum Solution Enabler.

Der Solution Enabler besteht aus fünf Bausteinen:

  1. Programmatische Begleitung: Die Themengruppen arbeiten in wöchentlichen Sprints und werden organisatorisch angeleitet. Die Themencluster werden durch Expertenräte unterstützt.

  2. Der Solution Builder: Den Teams werden nach Bedarf Spezialistinnen und Spezialisten zugeteilt, welche die Umsetzung der Lösung voranbringen.

  3. Unterstützung durch Ressourcen: Für die Umsetzung der Lösungen werden den Teams entsprechende Ressourcen in Form von Räumlichkeiten oder Infrastruktur zur Verfügung gestellt.

  4. Unterstützung bei der Pilotierung und Implementierung: Die Projektteams werden durch Programmierer bei der technischen Umsetzung unterstützt.

  5. Matching Font: Den Teams wird Know-How für das Einrichten von Crowd Funding-Kampagnen an die Hand gegeben. Zusätzlich zu dem gesammelten Geld sollen 25 Prozent der Summe aus dem Matching Font beigesteuert werden, jedoch maximal 10.000 €. So sollen Projekte schneller umgesetzt werden können. Die Kampagnen sind dabei ein Indiz dafür, für wie wichtig die Gesellschaft die Lösungen erachtet.

Staatsministerin Dorothee Bär hat im Rahmen der Pressekonferenz bestätigt, dass sich das Bundeskanzleramt finanziell beteiligen wird. Auch andere Bundesressorts seien in Verhandlungen. Auch Stiftungen und Unternehmen sind dazu aufgerufen, die Projekte zu unterstützen. Die BMW Foundation und das Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation haben bereits eine monetäre Unterstützung zugesagt. Die Lösungen sollen als Open Source angeboten werden.

 

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