Corona

„Wir sollten die Zeit nutzen und uns gut vorbereiten“

Im Interview: Epidemiologe Prof. Dr. Ralf Reintjes

Wie gefährlich ist Covid-19, wie sollten sich große Organisationen vorbereiten und welche konkreten Maßnahmen sind zu empfehlen? 5 Fragen an den Epidemiologen Prof. Dr. Ralf Reintjes.
Ralf Reintjes ist Professor für Epidemiologie und Surveillance an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und hat eine Professur für Infektionsepidemiologie an der Universität Tampere, Finnland. Professor Reintjes war bereits als Berater für die WHO, die EU, die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie weitere Organisationen in zahlreichen europäischen, afrikanischen und asiatischen Ländern tätig.
Er war Fellow des European Programme for Intervention Epidemiology Training (EPIET) beim Nationalen Institut für Volksgesundheit und Umwelt (RIVM) der Niederlande, Leiter des Referats für Hygiene, Infektionskrankheitenepidemiologie und Impfwesem beim Landesinstitut für den Öffentlichen Gesundheitsdienst des Landes Nordrhein-Westfalen (LÖGD) und Leiter der Emerging Risks Unit bei der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) in Parma, Italien. Er ist Verfasser zahlreicher Publikationen in den Bereichen Epidemiologie, Surveillance und Policy Research.

VdZ: Die Vergleiche, die zum Corona-Virus angestellt werden, beginnen auf der einen Seite mit typischen saisonalen Erkältungs- oder Grippeerscheinungen und reichen auf der anderen Seite bis hin zu H1N1 2009 oder der Spanischen Grippe 1918-1920. Für wie gefährlich halten Sie SARS-CoV-2/Covid-19 wirklich?

Reintjes: Laut Beschreibungen sind die klinischen Symptome bei Patienten mit Covid-19 recht unspezifisch und ähneln sehr denen bei einer Virusgrippe. Auffällig erscheint jedoch eine relativ hohe Sterberate unter bestätigten Krankheitsfällen. Dieses und die Tatsache, dass dieses Virus scheinbar neu als humanpathogenes Virus anzusehen ist und wir noch recht wenig über das Virus und mögliche Krankheitsverläufe wissen, macht es besonders.

VdZ: In einem Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012, über den die Bundesregierung damals unterrichtet hat, wurde der hypothetische Verlauf einer Pandemie infolge der Verbreitung eines neuartigen Erregers durchgespielt. Als Beispiel wurde explizit der SARS-Coronavirus (CoV) benannt; tatsächlich fallen Parallelen zwischen der Risikoanalyse und der aktuellen Entwicklung auf. Allerdings schockiert die Modellierung mit 78 Millionen erkrankten Menschen binnen drei Jahren und „mindestens 7,5 Millionen Toten als direkte Folge der Infektion“ – in Deutschland! Halten Sie so etwas für vorstellbar?

Reintjes: Das von Ihnen dargestellte Szenario bezieht sich Annahmen bei einem SARS-Ausbruch. SARS zeigte eine Sterberate von fast 10 Prozent. Glücklicherweise sehen wir das bei Corid-19 auf einem deutlich niedrigeren Niveau. 

VdZ: In verschiedenen Ländern, auch innerhalb Europas, treffen die Behörden sehr unterschiedlich ausgeprägte Vorkehrungen. Wie sollten sich große Organisationen und Verwaltungen realistischerweise, ggf. auch für den Worst Case, vorbereiten?

Reintjes: Wie alle anderen sollten sich große Organisationen gut vorbereiten, gute Hygienemaßnahmen verstärken und möglichst Kontakte mit möglicherweise infizierten Personen vermeiden. Wenn möglich sollte Homeoffice eine Option sein.

VdZ: Welche konkreten Maßnahmen würden sie für die persönliche Hygiene bzw. den zwischenmenschlichen Umgang empfehlen?

Reintjes: Hierzu gibt es deutliche Empfehlungen des RKI und des ECDC. Eine gute Hygiene und eine Reduktion von Kontakten, die zu einer Übertragung führen könnten, ist derzeit sehr anzuraten. Möglicherweise infizierte Personen sollten eine Quarantäne einhalten, um eine Weiterverbreitung zu vermeiden.

VdZ: Chinesische Reisende finden unseren Umgang mit dem Virus zu leichtfertig. Sind Sie mit der öffentlichen Sensibilität für die Problematik und den staatlichen Vorkehrungen zufrieden oder müssten wir mehr tun?

Reintjes: Bei SARS hatten wir in Europa viel Glück. Das neue Virus scheint sich offensichtlich effektiver zu verbreiten. Es ist damit zu rechnen, dass auch in Europa bald gehäuft viele Fälle auftreten werden. Wir sollten die Zeit bis dahin nutzen und uns gut vorbereiten.

„Auch die Polizei ist im Darknet aktiv“

Im Interview: Carsten Meywirth

„Zuverlässiger Zufahrtsschutz ist keine triviale Polleritis“

Im Interview: Christian Schneider, Sachverständiger für normkonformen Zufahrtsschutz

"Vernetzten Bedrohungen müssen wir mit vernetzter Sicherheit begegnen"

Der Sächsische Staatsminister des Innern Prof. Dr. Roland Wöller im Interview

„Wir sehen uns jetzt als Behörde 4.0“

5 Fragen an ZITiS-Vizepräsident Hans-Christian Witthauer

Neue Pfade, statt traditioneller Entwicklungshilfe

Dr. Joachim Rücker: Mit den Partnern in Afrika auch auf sub-nationaler Ebene „Inseln der Stabilität“ schaffen / Interview

Innovative Flüchtlingshilfe und Migrationspolitik – ein anderer Blick auf Afrika

Hilfsbedürftige mit smarten Technologien, Vernetzung und Co-Creation zu Prosumern machen / Interview mit Kilian Kleinschmidt

„Es muss verhindert werden, dass Menschen aufgrund von Zwang oder Gewalt ihre Heimatländer verlassen müssen.“

5 Fragen an Wolfgang Gressmann, NRC-Länderdirektor im Irak

„Viel getan, aber auch noch viel zu tun“

5 Fragen an Wolfgang Bosbach, MdB a. D.

„Die Zeiten sind rauer geworden“

5 Fragen an DPolG-Bundesvorsitzenden Rainer Wendt

Neue Kooperationsformen zwischen Wirtschaft und Staat

5 Fragen an Dr. Sebastian Leder

Wohnungseinbruchdiebstahl aus kriminalstatistischer Sicht

5 Fragen an Prof. Dr. Thomas Bliesener

Terroraufarbeitung aus Ermittlersicht

5 Fragen an Bundesanwalt a.D. Bruno Jost

Wir erwarten, dass zu vielen Themen unseres Journals bei Ihnen der Wunsch besteht, sich auszutauschen. Daher planen wir eine Kommentarfunktion für unsere registrierten Leser.