Annette Widmann-Mauz; Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration;
© Wegweiser Media & Conferences GmbH/Sera Z. Kurc

"Das Gegenteil von Vielfalt ist Einfalt"

Staatsministerin Widmann-Mauz: „Wegweiser-Kurse“ und Interkulturelle Öffnung

Keine starre Leitkultur, aber bleibende Werte: Annette Widmann-Mauz betonte zu Beginn des „4. Gesellschaftlichen Dialogs Migration und Integration“ die Notwendigkeit schneller Werte-Seminare und erklärte gleichermaßen die Bundesverwaltung für Menschen mit Migrationshintergrund zugänglicher machen zu wollen .
Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Annette Widmann-Mauz, sprach zur Eröffnung des diesjährigen „Gesellschaftlichen Dialogs Integration & Migration“ Anfang November in Berlin.
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„Wir müssen einen Weg des Zusammenlebens und des Respekts finden, der auf der Basis der Werte unseres Grundgesetzes und unser Rechtsordnung funktioniert“, sagte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration im Kanzleramt, Annette Widmann-Mauz. Man könne aber nicht erwarten, dass Menschen aus einem anderen Land, mit einem anderen Kulturkreis von Anfang an wüssten, wie diese Art zu leben, funktioniere. „Dafür braucht es das Zusammenleben, vor allem aber das „Vorleben“.“ Freiheiten und Rechte sind zwar in der Verfassung hinterlegt, die konkrete Ausgestaltung ergebe sich jedoch aus dem täglichen Miteinander. Aus Sicht der Staatsministerin verstellt der Begriff der „Leitkultur“, dass unsere Werte nicht zur Disposition stehen, doch aber darüber verhandelt werden darf.

Gleichberechtigung entwickelt sich fortlaufend weiter

Als Beispiel dafür sieht die CDU-Politikerin die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die schon sehr lange im Grundgesetz steht. „Trotzdem soll es heute noch in unserer Republik einen Streit darum geben, was denn Gleichberechtigung im Detail bedeutet.“ Hundert Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts fänden aktuell lebhafte Diskussionen darüber statt, ob eine gleichberechtigte Repräsentanz im Bundestag verankert werden soll oder nicht. „Es ist ein Prozess, den wir ermöglichen und andere daran teilhaben lassen.“ 

„Wegweiser-Kurse“ gleich bei der Erstaufnahme

Diesen Prozess absolvieren Asyl-Bewerber gleichermaßen im Sprint wie im bürokratischen Dauerlauf. Es ist ein Aufholen, dessen erste Schritte und Begegnungen mit Theorie und Praxis oft in Erstaufnahmeeinrichtungen erfolgen. Widmann-Mauz spricht sich dafür aus, zügig nach Ankunft „Wegweiser-Kurse“ anzubieten. Ziel soll es sein, ein erstes Verständnis dafür zu geben, wie hierzulande miteinander und auf Basis welcher Werte umgegangen wird.  „Fördern und Fordern“ bedeutet in dem Sinne, dass Flüchtlinge einerseits gefordert sind, sich dieses Systems bewusst zu werden und danach zu handeln. Auf der anderen Seite sieht die Integrationsbeauftragte auch Staat und Verwaltung in der Pflicht, sich weiterzuentwickeln: Immer noch besitzen viele Menschen mit Migrationshintergrund und gleicher Qualifizierung weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das gilt für die Wirtschaft wie für die öffentliche Hand. Ob Max oder Mehmet, Anna oder Aliona – Name und Aussehen dürften keinen Unterschied mehr machen.

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Max oder Mehmet, Anna oder Aliona – das darf keinen Unterschied mehr machen!

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„Das Gegenteil von Vielfalt ist Einfalt“, unterstrich Widmann-Mauz, „und das klingt nicht wirklich innovativ.“ Unterschiedliche Sichtweisen, Erfahrungen und Kompetenzen könnten vorteilhaft sein, wenn es darum geht Probleme zu lösen. „Wir müssen noch transparenter machen, welchen Beitrag diverse Teams zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg leisten.“ Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Integration hat die Staatsministerin dazu eine Befragung in den Bundesministerien und -behörden in Auftrag gegeben.

Befragung in der Bundesverwaltung

Es geht darum, Instrumente zu entwickeln, wie Bundesministerien und -behörden zu mehr Interkulturalität kommen können. „Ich erwarte mir davon wichtige Erkenntnisse, weil es nicht nur um die Erfahrungen der Menschen geht, die selbst einen Migrationshintergrund haben, sondern immer auch um die Akzeptanz derjenigen, die schon das sind.“ Aus den Ergebnissen sollen konkrete Handlungsempfehlungen resultieren. Auch könne man von einigen Unternehmen und der Polizei lernen, die sich schon länger interkulturell geöffnet haben.  

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