Ein Leuchtturm vor blauem Himmel. Ein dänische Flagge weht im Wind.
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Weltmeister im eGovernment

Dänemark sichert sich den Spitzenplatz durch Bürgerfreundlichkeit, behördenübergreifende Zusammenarbeit und Investitionsvorhaben

Mitte Juli 2020 wurde Dänemark mit dem Titel „Weltmeister im eGovernment“ geehrt. Die Vereinten Nationen (UN) hatten die Fortschritte ihrer 193 Mitgliedsstaaten in puncto Digitalisierung des öffentlichen Sektors untersucht und waren zu dem Ergebnis gekommen: Dem nordischen Land gebührt der Spitzenplatz! Dänemark gilt schon länger als führend in Sachen Digitalisierung, aber wie hat es das Land geschafft, sich von Platz 9 im Jahr 2016 an die Weltspitze vorzuarbeiten?

Diane Schöppe

Der UN-Bericht hob hervor, dass Dänemark einen ganzheitlichen Ansatz für die öffentliche Digitalisierung gewählt hat: Dass der Bürger im Mittelpunkt steht und jeder einzelne einbezogen werde, sei nicht nur Wunsch, sondern bereits Realität. Das gleiche gilt für die Zusammenarbeit zwischen Staat, Gemeinden und Regionen. Auch hier hat es Dänemark stärker als alle anderen UN-Mitgliedsstaaten geschafft, gemeinsam übergreifende Initiativen zu initiieren und umsetzen. Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit spiegeln sich in einer digitalen Infrastruktur mit NemID, dem Portal Borger.dk und Digital Post wider.

Einfach kommunizieren: ein Portal, eine ID

NemID ist Dänemarks Log-in-Lösung für öffentliche Serviceleistungen, Internetbank und vieles mehr. Eine NemID besteht aus einer Benutzer-ID, einem Kennwort und einer Schlüsselkarte mit einmaligen Codes. Auch Menschen ohne dänische Staatsangehörigkeit können eine NemID erhalten, dazu braucht es eine persönliche Identifizierungsnummer (CPR-Nummer) und einen gültigen ID-Nachweis.

Der Name ist Programm beim Portal Borger.dk: Hier steht geht es um den Bürger – dänisch „Borger“. Über das Portal läuft die Kommunikation mit der Verwaltung und den Behörden. Einige der Serviceleistungen sollen Dänen und Däninnen bereits heute ausschließlich über das Portal abwickeln: Etwa ihren Umzug melden, einen Arzt suchen, Rente beantragen und ihre Gesundheitskarte. Ausnahmen werden für diejenigen gemacht, die aufgrund von Alter oder Behinderung nicht mit der Technologie klarkommen. Außerdem kann man sich Hilfe holen: Die Bürgerdienste der Gemeinden und auch Mitarbeitende in Bibliotheken sind extra dafür geschult, digitale Unterstützung zu leisten.  

Online einen Rentenantrag stellen, einen Umzug melden oder eine neue Gesundheitskarte - in Dänemark geht das über ein einziges Portal
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Die Sicherheit auf Borger.dk ist hoch: Hier kommt die NemID in Zusammenhang mit der CPR-Nummer zum Einsatz. Das Gleiche gilt auch für Digital Post. Über diese gelangt die Post der Behörden an die Bürger, etwa von der Gemeinde, dem Krankenhaus oder dem Finanzamt. Dies können Mitteilungen an Patienten sein, die Benachrichtigung über einen Kita-Platz oder Steuerangelegenheiten betreffen.

Investitionen in Künstliche Intelligenz

Den Spitzenplatz hat das nordische Land auch erreicht, dass es den digitalen Wandel konsequent in Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft eingeleitet hatte: Gemeinsam experimentiert und entwickelt man digitale Technologien und Lösungen für den Öffentlichen Sektor. Der UN-Bericht erwähnte auch den Investitionsfonds, der bis 2022 eine Reihe von Projekten zur Künstlichen Intelligenz in Kommunen und Regionen finanziert.

Das Land freut sich sehr über die Ehrung. So sagte Rikke Hougaard Zeberg, Direktorin der Dänsischen Digitalisierungsagentur: „Es ist absolut fantastisch, das Dänemark als das weltweit beste Land in öffentlicher Digitalisierung ausgezeichnet wurde. Das zeigt, der der öffentliche Sektor in Dänemark bei seinen Bemühungen, die digitalen Tools zu nutzen, um sowohl Bürgern als auch Unternehmen einen besseren Service zu bieten, in die richtige Richtung geht.“

Luft nach oben?

Doch ist schon alles schick im Staate Dänemark oder gibt es noch Felder, in denen es Verbesserungsbedarf gibt? Kim Normann Andersen, Professor an der Copenhagen Business School und auf Digitalisierung des öffentlichen Sektors spezialisiert, sagte auf Nachfrage des staatlichen Senders Denmarks Radio: „Südkorea hat massiv in eine schnelle Breitbandverbindung investiert. Dahin möchte Dänemark auch gern kommen, aber noch ist es ein Stück Weg dahin, bis dies realisiert wird.“

Einfach kommunizieren: Über die Seite borger.dk haben dänische Bürger*innen Zugriff auf ihre Behördenpost und stellen hier auch ihre Anträge
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