Budapest
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Voneinander lernen im e-Government

Die Central and Eastern European e|Dem and e|Gov Days

Seit dem Fall des Eisernen Vorhanges hat sich in Europa viel geändert. Die Länder auf der Ostseite des Vorhangs haben die 30, fast schon 31 Jahre gut genutzt und Rückstände aufgeholt. Vor allem im e-Government hatten sie den Vorteil, teilweise „auf der grünen Wiese“ beginnen zu können, insbesondere in neuen Staaten wie bspw. Moldau oder der Slowakei auf einer sehr grünen Wiese.

Robert Müller-Török

Thomas Hemker

Deshalb verläuft der Wissens- und Best-Practice-Austausch schon lange nicht mehr als Einbahnstraße von West nach Ost, sondern in beiden Richtungen, wovon alle Beteiligten profitieren. 

Eine der Veranstaltungen, die diesem europäischen Austausch und dem Voneinander-Lernen dienen, sind die Central and Eastern European e|Dem and e|Gov Days, die seit 2014 in Budapest veranstaltet werden. Diese Konferenzserie entstand genau genommen bereits früher: Sie geht zurück auf die Eastern European e|Gov Days, die Roland Traunmüller  gemeinsam mit Klaus Lenk, Begründer der Verwaltungsinformatik im deutschsprachigen Raum, bis 2008 veranstaltet hat. 

Diese Tradition wurde 2014 von Robert Müller-Török und Alexander Prosser wiederaufgenommen und am 8. und 9. Mai 2014 erwachte die Konferenzserie zu neuem Leben. Die Fortsetzungen in den Jahren 2015201620172018 und 2019 brachten Steigerungen in der Anzahl Beiträge und der Teilnehmer. Seit 2018 sind die Tagungsbände auf der  Open Access Plattform der Österreichischen Computergesellschaft gratis verfügbar, so auch der Tagungsband 2020

E-Government in Moldau

Ein Vorbild für die deutsche Verwaltung?

Tagungsband trotz Corona fertiggestellt

In diesem Jahr machte zwar die Corona-Pandemie die Abhaltung der physischen Konferenz zum gewohnten Termin im Mai unmöglich. Trotzdem wurde trotz der Verschiebung auf voraussichtlich den 21. September 2020 der Tagungsband fertiggestellt. Er beinhaltet 38 Beiträge, die jeweils einem Double-Blind-Peer-Review nach wissenschaftlichen Standards unterzogen wurden und bewegt sich mit ca. 450 Seiten im Bereich der bisherigen Tagungsbände – trotz Corona.

Inhaltlich stechen diesmal vor allem Beiträge zu Cyber Security, Privacy und Datenschutz einerseits sowie zu Social Media als Instrument der Politik hervor; in Entsprechung des Konferenzmottos „Social Networks and Social Media“. 

Die Konferenz und auch der Tagungsband haben das Ziel, Wissenschaftler, Praktiker und Politiker aus dem Donauraum, d.h. aus den 14 Mitgliedsstaaten der EU-Donauraumstrategie zusammenzubringen und einen Austausch in Gang zu bringen. Aus diesem Grund sind die diesjährigen Veranstalter auch die Hochschule für Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, die Österreichische Computergesellschaft, die Nationale Universität für den öffentlichen Dienst Ungarns, das Information Society Development Institut der Republik Moldau, die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung sowie die Fakultät für Politik-, Verwaltungs- und Kommunikationswissenschaften der Universität Cluj-Napoca. Diese im Kern seit Beginn beibehaltene Mischung soll die Vielfalt des Donauraums wiederspiegeln. Aus ebendiesem Grund ist die Konferenzsprache auch ausschließlich Englisch. 

Die physische Veranstaltung musste zwar auf September 2021 verschoben werden - dennoch konnte der Tagungsband 2020 veröffentlicht werden.

"Networking at its best" ohne Tagungsgebühren

Der Austausch erfolgt u.a. auch so, dass neue Entwicklungen und neu eingesetzte e-Government-Anwendungen, die dort vorgestellt werden, zu weitergehenden Partnerschaften führen – „Networking at its best“ sozusagen. Dies wird dadurch erleichtert, dass es sich bei den ceeegovdays um eine Konferenz handelt, die auf „Tagungsgebühren“, „Teilnahmegebühren“ u.dgl. verzichten kann – Dank großzügiger Sponsoren, v.a. der Baden-Württemberg Stiftung und dem Österreichischen Kulturforum Budapest neben dem finanziellen und personellen Engagement der Veranstalter.

Wenn man die Organisatoren nach den Vorzügen der Konferenz für potenzielle Teilnehmer fragt, so erhält man folgende Antworten:

  1. Der „Blick über den eigenen Tellerrand“; wir haben bereits erstaunte Gesichter von Teilnehmern westeuropäischer, größerer Länder gesehen, wenn beispielsweise das e-Government-Portfolio Serbiens vorgestellt wurde.
  2. Die Bildung interessanter Gesprächsrunden, die sich spontan in den Vorträgen, Pausen und Abendveranstaltungen ergibt. 
  3. Hochkarätige Teilnehmer, sowohl aus Politik wie auch aus Verwaltung und Wissenschaft.
  4. Budapest im Mai als inspirierendes Umfeld, auch wenn es in diesem Jahr September sein wird.
  5. Und, last but not least, der Konferenzband als Nachschlagewerk und Informationsquelle, der diesmal auch wieder Open Access verfügbar ist.

Gerade in Zeiten, wo das eigene e-Government einem sehr harten Benchmark durch die Corona-Pandemie unterzogen wird – den die deutsche Verwaltung nicht als Klassenbester besteht -, ist der Austausch und das Voneinander-Lernen wichtiger denn je. Die Central and Eastern European e|Dem and e|Gov Days leisten seit Jahren wieder einen Beitrag dazu. Oder, wie wir es mit einem abgewandelten Spruch von Oscar Wilde ausdrücken würden: E-Government in Europa ist ganz einfach – Man nimmt von jedem Land das Beste.

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