Düsseldorf CDO Adelskamp OB Geisel Transformation Digitalisierung
© Landeshauptstadt Düsseldorf/ Ingo Lammert

Über 30 Jahre im Verwaltungsdienst – Düsseldorf setzt auf Erfahrung

Ein Interview mit OB Thomas Geisel

Verwaltungsgeschichte in Düsseldorf schreibt Peter Adelskamp nicht erst in seiner neuen Funktion als CDO. 1985 startete er seine Karriere bei der Stadtverwaltung und ist nun seit Mai 2017 ihr „Digitaler Chief“. Warum die Entscheidung auf ihn gefallen ist, was sich Düsseldorf von seinem CDO erwartet und wie die Transformation mit ihm gelingen soll, verrät Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel im VdZ-Interview.
OB Thomas Geisel Düsseldorf
Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf Thomas Geisel
© Landeshauptstadt Düsseldorf/ Norbert Hüttermann

VdZ: Herr Geisel, was verstehen Sie persönlich unter dem neuen Amt des CDO?

Geisel: Der CDO hat das breite Themenfeld der Digitalisierung für das gesamte Unternehmen, hier die Landeshauptstadt Düsseldorf, im Blick. Hierbei liegt der Fokus nicht auf der internen IT, neuer Software oder dem Betrieb von PCs oder Servern. Vielmehr geht es darum, die digitalen Projekte der Fachbereiche und der städtischen Beteiligungen thematisch miteinander zu vernetzen. Ziel ist es, mit möglichst vielen übergreifenden Angeboten, die Lebensqualität in Düsseldorf noch weiter zu steigern und Ressourcen zu schonen  kurz: Düsseldorf zur Smart City zu machen und so Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dies geht der CDO gemeinsam mit den verschiedenen kommunalen Fachbereichen und stadtgesellschaftlichen Stakeholdern an.

 

VdZ: Sie haben sich für die Besetzung des CDO-Postens in Düsseldorf entschieden. Was waren die ausschlaggebenden Argumente für diesen Schritt?

Geisel: Die Verwaltung hatte bislang insbesondere die Verwaltung im Blick. Gemeinsame Interessen oder Handlungsfelder mit städtischen Beteiligungen und Düsseldorfer Unternehmen waren oft gar nicht bekannt. Auch gibt es eine Reihe von Themen, die nicht zur klassischen städtischen Daseinsvorsorge zählen und für die es keinen klaren Ansprechpartner gab. Hierzu gehört beispielsweise der Breitbandausbau, WLAN oder die Koordinierung der vielen Smart City-Projekte, die in der Stadt laufen. Hierfür bedurfte es einer Funktion, die diese Dinge im Blick hat, die richtigen Menschen zusammen bringt und Impulse setzt, denen die Verwaltung folgt.

 

VdZ: Mit Peter Adelskamp, seit 1985 für die Stadt Düsseldorf tätig, haben Sie sich für eine interne Besetzung der Stelle entschieden. Stand für Sie von Anfang an fest, einen Kandidaten aus den eigenen Reihen und nicht von außen zu besetzen? 

Geisel: Die digitale Transformation beschäftigt uns schon seit vielen Jahren, allerdings sorgt die schnelle technologische Entwicklung dafür, dass dieses Thema jetzt besonders intensiv wahrgenommen wird. Die Erwartungshaltung der Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen an die Verwaltung wachsen zurecht.

Es gibt Lösungen für komplexe technische Fragestellungen, die vor kurzem noch undenkbar waren. Denken Sie alleine an das Thema der künstlichen Intelligenz, Chatbots, Sprachassistenzsysteme in zig Sprachen und ähnliches. Wenn wir hier von digitaler Transformation sprechen und von erheblichen Veränderungen in der Verwaltung, bedarf es einer Person, die die Verwaltung kennt und weiß, wie diese beiden Welten zusammengebracht werden können.

 

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Wenn die vernetzte Digitalisierung in einigen Jahren in allen Bereichen „angekommen“ ist und mitgedacht wird, ist der Zeitpunkt gekommen, die Rolle des CDO erneut zu hinterfragen.

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VdZ: Inwieweit spielt die vorausgegangene Projektleitung „Verwaltung 2020“ von Herrn Adelskamp in diesen Prozess mit hinein und was verbirgt sich hinter diesem Projekt?

Geisel: Herr Adelskamp war lange Zeit Leiter der IT- und Organisationsabteilung der Stadt und war als stellvertretender und kommissarischer Leiter des Hauptamtes in viele personalwirtschaftliche Themen eingebunden. Dies ist eine gute  Voraussetzung für die Aufgabe des CDO und das Verständnis der Verwaltung. In dem Projekt Verwaltung 2020 wurden die Beschäftigten und die Führungskräfte gefragt, welche technischen und organisatorischen Maßnahmen erforderlich sind, um sich zukunftssicher aufzustellen. Wir wissen, dass wir bis 2030 knapp zweidrittel unserer Beschäftigten verlieren werden und dass wir dieses Personal nicht durch Nachwuchskräfte und Neueinstellungen ausgleichen können. Tatsächlich gab es 145 Vorschläge aus der Verwaltung, sich mittels technisch besserer Ausstattung und Software-Lösungen noch effizienter aufzustellen.

 

CDO Düsseldorf Adelskamp Transformation Digital Smart City
CDO der Stadt Düsseldorf Peter Adelskamp
© Landeshauptstadt Düsseldorf

VdZ: Mit welchen (weiteren) konkreten Aufgaben sieht sich Herr Adelskamp in seiner Rolle konfrontiert und was wurde seit Mai 2017 bereits angestoßen bzw. umgesetzt?

Geisel: Wichtige Meilensteine waren die Verabschiedung der Digitalen Strategie 2017-2021, Kooperationsverträge zum Breitbandausbau in Düsseldorf mit verschiedenen Glasfaseranbietern und die erfolgreiche Bewerbung um Fördermittel in Höhe von 13,5 Mio. EUR für den Breitbandausbau. Auch konnte ein Projekt unseres Amtes für Statistik und Wahlen zur Bereitstellung eines Open Data Portals in sehr kurzer Zeit Ende 2017 umgesetzt werden. Aktuell steht die Veröffentlichung eines Serviceportals für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen kurz bevor. Auf dieser Basis werden in der nächsten Zeit viele Verwaltungsprozesse durchgängig digitalisiert werden, was ein wichtiger Schritt in Richtung E-Government ist. Hierbei kommt auch das neue Servicekonto.NRW zum Einsatz.

 

VdZ: Welche Erwartungen haben Sie an Herrn Adelskamp in den kommenden zwei Jahren?

Geisel: Neben der Forcierung des Breitbandausbaus und der Erweiterung des Serviceportals gibt weitere Projekte aus den Bereichen Smart Mobility und Smart Government, die zur Umsetzung anstehen. Darüber hinaus gibt es viel Grundlagenarbeit zur Digitalisierung der Verwaltung, die über viele Hundert Fachverfahren und Geschäftsprozesse verfügt, die möglichst alle in einen jeweils sinnvollen digitalen Workflow gebracht werden müssen. Hinzu kommt natürlich Netzwerkarbeit, um neue Trends und Lösungen aufzuspüren.

 

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Die Kommunen sind in der unglücklichen Situation, bei der digitalen Transformation weitgehend auf sich gestellt zu sein, wodurch ein wilder Flickenteppich in Deutschland entsteht.

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VdZ: Die Funktion des CDO ist in Düsseldorf direkt dem Büro des Oberbürgermeisters zugeordnet. Digitalisierung ist in Düsseldorf Chefsache? 

Geisel: Digitalisierung ist Chefsache, denn es zieht sich durch alle Bereiche der Verwaltung und der Stadtgesellschaft und geht deutlich über den internen Betrieb der Verwaltung hinaus. Aus diesem Grund war es mir wichtig, ein starkes Signal zu setzen und die Fäden der Digitalisierung in meinem Büro zusammen führen zu lassen.

 

Wird das CDO-Amt durch ein Team unterstützt? 

Geisel: Das Büro wurde zu Beginn bewusst klein aufgesetzt. Neben dem CDO gibt es eine Assistenz und eine Sachbearbeitung. Zur Zeit läuft noch ein Auswahlverfahren für einen Breitbandkoordinator, der in Kürze das Team unterstützen wird. Es ist wichtig, dass die Digitalisierung nicht als zentrale Aufgabe verstanden wird, denn sie geht alle an. Deswegen sollen auch Aufgaben wie Elektromobilität, autonomes Fahren, digitales Lernen, Stadtentwicklung, digitale Information usw. in den bislang verantwortlichen Bereichen der Verwaltung verortet bleiben. Der CDO unterstützt hier, berät und gibt Impulse. Wenn die vernetzte Digitalisierung in einigen Jahren in allen Bereichen „angekommen“ ist und mitgedacht wird, ist der Zeitpunkt gekommen, die Rolle des CDO erneut zu hinterfragen.

 

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