An der Böschung eines Flusses stehen in Abständen Markierungen für Hochwasser.
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Interaktive Hochwasserkarten

Mit Cadenza die Vorgaben der Europäischen Hochwasserrichtlinie erfüllen

Schleswig-Holstein, Thüringen, Baden-Württemberg und Sachsen veröffentlichen interaktive Hochwasserkarten auf ihren jeweiligen Webportalen. Sie dienen dem Hochwasserschutz und dokumentieren die Kontrolle und Beobachtung der Flusspegel. So können bei drohendem Hochwasser Landkreise und Kommunen gewarnt werden. Die Karten basieren auf der Disy-Software Cadenza und erfüllen damit die Vorgaben der Europäischen Hochwasserrichtlinie.

Dr. Wassilios Kazakos

Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an die dramatischen Bilder vom August 2002, als ein Jahrhunderthochwasser die Dresdner Altstadt und weite Teile von Deutschland überflutete. Um die Gefahren durch Flusshochwasser, Sturm- oder Sturzfluten länderübergreifend zu verringern, gibt es seit 2007 europaweite Vorgaben durch die Richtlinie „Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken (EU-HWRM-RL)“. Für die zu erstellenden Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten sind in Deutschland die jeweiligen Landesbehörden zuständig.

Damit aber auch über die Ländergrenzen hinweg inhaltlich und gestalterisch möglichst einheitliche Kartenwerke entstehen, hat die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) Empfehlungen definiert. Die Kartenwerke müssen den regionalen Informationsbedürfnissen und -pflichten entsprechen und können zusätzliche Informationen enthalten. Neben den zuständigen Behörden und Institutionen sollen auch betroffene Bürgerinnen und Bürger zur Verbesserung der Eigenvorsorge über landesweite Webportale auf diese wichtige Informationsquelle zugreifen können.

Hochwasserkarten mit Cadenza veröffentlichen

So stellt Schleswig-Holstein seine Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten für Küstenhochwasser und Flusshochwasser als interaktive Kartenanwendung im ZeBIS-Portal bereit. Dieses Portal basiert auf Cadenza, einem Produkt des Karlsruher Softwareherstellers Disy Informationssysteme GmbH, und wird verantwortet vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND). ZeBIS bietet außerdem Informationen zu den Themen Biotopkartierung, Anlagenkataster und Bodendauerbeobachtung.

Ausschnitt von der Insel Fehmarn aus der Hochwassergefahrenkarte für ein 200-jähriges Hochwasser, die im Portal ZeBIS Schleswig-Holstein veröffentlicht ist
© Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND)

Das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) betreibt seinen Kartendienst ebenfalls mit Cadenza und bietet eine Vielzahl von Recherchemöglichkeiten zu umweltrelevanten Themen an. Zur Hochwasserproblematik werden für alle Einzugsgebiete detaillierte Gefahren- und Risikokarten verschiedener Extremereignisse angeboten, die unter anderem die maximale Ausdehnung des Wasserspiegels, Wassertiefen sowie die Nutzung betroffener Flächen zeigen. Zudem können auch Hochwassermarken historischer Ereignisse angezeigt und nach räumlichen und sachlichen Kriterien gefiltert werden.

Ausschnitt aus der Gefahrenkarte, die das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) in seinem Kartendienst auf Basis von Cadenza veröffentlicht, für ein 200-jähriges Hochwasser des Flusses Saarbach bei Scheuengrobdorf (Stadtteil von Gera)
© Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN)

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) stellt über ihren interaktiven Daten- und Kartendienst neben neun weiteren Themen die Hochwasserdaten im übergeordneten Thema Wasser für die Öffentlichkeit bereit – ebenfalls über Cadenza. Genauso wie in Sachsen:  Das Datenportal iDA des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfLUG) bietet den Zugriff auf zahlreiche Umweltdaten und Kartenbestände an. Es bestehen detaillierte Auswahlmöglichkeiten, beispielsweise nach Zahl der von einem Hochwasser betroffenen Einwohner sowie den Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Hochwasserereignisse (HQ20, HQ100, HQ200, HQ300). Weiterhin veranschaulicht ein Thema die Überschwemmungsgebiete des Jahrhunderthochwassers 2002, das Dresden schwer getroffen hatte.

Ausschnitt von Mannheim aus der Hochwasserrisikokarte, die von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in ihrem interaktiven Daten- und Kartendienst auf Basis von Cadenza veröffentlicht wird
© Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW)

Hochwasserkarten erfüllen europäische Berichtspflichten

Auch wenn diese vier Portale technologisch auf Cadenza basieren und die Karten gemäß einheitlicher Empfehlung erstellt werden, zeigen sich Unterschiede, die sich aus regionalen Gegebenheiten ergeben. Über die Permalink-Funktion von Cadenza werden die Daten in Form eines dauerhaften Verweises mit dem bundesweiten Berichtsportal WasserBLIcK verbunden. Um bei der Umsetzung der Berichterstattung gegenüber der EU-Kommission ein Maximum an Einheitlichkeit bei den Berichtskarten zu erzielen, hat die LAWA 2017 den Beschluss gefasst, diesen zentralen Web-Kartendienst bereitzustellen, der von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) betrieben wird.

Ausschnitt von Dresden aus der Hochwasserrisikokarte, die vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfLUG) im Datenportal iDA (interdisziplinäre Daten und Auswertungen) auf Basis von Cadenza veröffentlicht wurde, mit der Wahrscheinlichkeit HQ200 oder HQ300
© Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfLUG)

Aufgrund des Datenvolumens wurden für das WasserBLIcK-Portal die Originaldaten generalisiert und klassifiziert. Dadurch stehen im zentralen Kartendienst länderübergreifende, weitgehend einheitliche Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten bereit. Werden detaillierte Daten benötigt, kann über eine Schnittstelle direkt auf die Karten der Bundesländer zugriffen werden. Auch die Berichterstattung an die EU erfolgt über das Portal WasserBLIcK. Die Informationen werden an das Portal WISE (Water Information System of Europe) gemeldet und dort hinsichtlich der Erfüllung der Berichtspflichten und zur Unterrichtung des EU-Parlaments ausgewertet.

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