Kindergeld
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In Hamburg kommen Eltern „Kinderleicht zum Kindergeld“

Ein Best-Practice aus der Hansestadt

Anfang Oktober wurde Hamburg zur smartesten Stadt Deutschlands gekürt – und das gleich in mehreren Kategorien! Dieses Ergebnis zeigt: Hamburg hat die Zeichen der Zeit erkannt und investiert viel in die Digitalisierung seiner Dienstleistungen und die Modernisierung der Prozesse. Wie Bürgerinnen und Bürger davon profitieren, ist beispielhaft am Hamburger Kooperationsprojekt „Kinderleicht zum Kindergeld“ abzulesen.

Svenja Zell

Das Serviceangebot „Kinderleicht zum Kindergeld“ ermöglicht Eltern, nach der Geburt ihres Kindes keine Behördengänge mehr erledigen zu müssen. Sie können stattdessen direkt in der Geburtsklinik mit einem bürgerfreundlichen Kombi-Formular in einem Zuge ihrem Kind einen Namen geben, es beim Standesamt beurkunden und im Melderegister eintragen lassen sowie Geburtsurkunden bestellen und Kindergeld beantragen. Nach durchschnittlich weniger als zehn Tagen erhalten die Eltern bequem per Post ihre bestellten Geburtsurkunden, die Steuer-ID ihres Kindes und den Kindergeldbescheid. Das Kindergeld wird direkt auf das angegebene Konto überwiesen.

Aktuell bieten fünf Hamburger Kliniken den Service an. Bereits 9000 Eltern haben das Angebot genutzt.
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Nutzerorientierte Prozesse

„Kinderleicht zum Kindergeld“ ist ein gutes Beispiel der Hamburger Digitalisierungsstrategie: „Wir entwickeln unsere neuen Prozesse aus der Sicht der Nutzer, arbeiten behördenübergreifend zusammen und modernisieren die Verwaltungsabläufe“, so Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher. Das Projekt „Kinderleicht zum Kindergeld“ haben die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit und die Senatskanzlei Hamburg 2018 initiiert. Seitdem gibt es den Service in immer mehr Hamburger Geburtskliniken. Das Projekt will einen Beitrag zum Abbau von Bürokratie in der Lebenslage Geburt leisten. Über 9000 Eltern haben den Service in fünf Kliniken Hamburgs bereits genutzt. Ihr Feedback ist durchweg positiv.

Im Jahr 2020 flächendeckend in allen Hamburger Kliniken

An dem Kooperationsprojekt staatlicher und privater Einrichtungen beteiligen sich mittlerweile fünf große Kliniken und ein Geburtshaus, drei Standesämter sowie die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit und die des öffentlichen Dienstes in Hamburg. Im Laufe des Jahres 2020 werden alle Geburtskliniken und Standesämter in Hamburg den Service anbieten.

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Wir müssen heraus aus den Silos. Wie das geht, kann man sehr gut bei „Kinderleicht zum Kindergeld“ sehen.

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Christian Pfromm, Chief Digital Officer der Freien und Hansestadt Hamburg

Momentan wird die Digitalisierung des Services für eine Pilotierung in der Asklepios Klinik Altona vorbereitet. Die Eltern können dort bald über einen Online-Dienst ihre Angaben machen und über ein elektronisches Bezahlverfahren die Gebühren für die Geburtsurkunden online begleichen. Voraussetzung ist, dass beide Elternteile den elektronischen Personalausweis zur Authentifizierung nutzen, denn dieser ersetzt die Unterschriften der Eltern im Antrag. Die Daten fließen elektronisch direkt zu den Standesämtern und zu den Familienkassen. Es ist davon auszugehen, dass Eltern dann noch schneller Geburtsurkunden und Kindergeld erhalten, weil die Postwege zwischen den Kooperationspartnern entfallen.

Die Freie und Hansestadt Hamburg wurde als smarteste Stadt Deutschlands ausgezeichnet.
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Hamburger Weg zur Digitalen Stadt

Digitalisierung – greifbar und bürgerfreundlich, dafür steht „Kinderleicht zum Kindergeld“: „Das Besondere an dem Projekt ist die Optimierung des Geschäftsprozesses und die reibungslose Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Akteure. Wir müssen heraus aus den Silos und so kooperieren, dass wir von der Digitalisierung optimal profitieren können. Wie das geht, kann man sehr gut an ‚Kinderleicht zum Kindergeld‘ sehen.“, so Hamburgs Chief Digital Officer (CDO) Christian Pfromm. Pfromm leitet das Amt für IT und Digitalisierung in der Senatskanzlei, bei dem alle Fäden in Sachen Digitalisierung zusammenlaufen.

„Nur wenn alle ein gemeinsames Ziel vor Augen haben und man bereit ist, alte Strukturen und Arbeitsweisen durch neue zu ersetzen, kann ein Projekt wie ‚Kinderleicht zum Kindergeld‘ gelingen. Digitalisierung ist eben nicht nur die Technik, sondern der Wandel in den Köpfen“, so Projektleiterin Dr. Brigitte Klamroth zur gelungenen Kooperation mit den verschiedenen Partnern.

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